Im Porträt: Prof. Dr. Eckhard Janeba
Der Volkswirt Eckhard Janeba forscht zu zentralen Themen der Finanzpolitik – von Steuerreformen bis hin zu Fiskalregeln. Besonders wichtig ist ihm dabei die Verbindung von Theorie und Praxis. Seine Expertise bringt er auch als Politikberater in internationalen Gremien ein – und befolgt dabei ein einfaches Prinzip: ausgeschlafen sein.

Unterhält man sich mit einem Steuerexperten, denkt man unwillkürlich an Tipps für die nächste Steuererklärung. Das ist allerdings eher das Gebiet der Betriebswirtschaft. „Ich komme ja aus der Volkswirtschaftslehre“, sagt Eckhard Janeba, Professor für Finanzwissenschaft und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf finanzpolitischen Themen wie Schuldenbremse, Fiskalregeln oder Steuerreformen. Die ganz großen Themen also. Dass diese viel interessanter sind als ein paar Steuertricks, wird nach wenigen Sätzen deutlich.
Denn sobald Janeba über seine Forschung spricht, ist er ganz in seinem Element. Man merkt, hier sitzt ein Vollblutwissenschaftler. Gekonnt schafft er es, mit logischen Gedankengängen und anschaulichen Beispielen Theorie und Praxis zu verbinden und so ein Verständnis für das Thema aufzubauen. Auch bei den Studierenden kommt das an – Janeba hat bereits mehrfach Lehrpreise gewonnen.
Politische Beratung
Praxisbezug ist für Janeba schon immer ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Bis 2025 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium. Die Aufgabe des Beirats besteht darin, Gutachten mit einer klaren Botschaft zu erarbeiten. Wie kommt man zu so einer Position? „Man muss ein solches Gremium führen können“, sagt er ganz nüchtern. Wichtig sei dafür die Fähigkeit, unterschiedliche Positionen und Personen zu integrieren. „Man muss mit Leuten zusammenarbeiten können, selbst wenn man nicht immer einer Meinung ist. Aber gemeinsam ist man stärker.“
Die Beratungstätigkeit helfe ihm auch in der Lehre. „Was mich wirklich interessiert: Ich möchte konzeptionelle Fragen vermitteln und versuche, das mit Anwendungen zu verbinden“, sagt er. Seine Erfahrung hilft ihm dabei, Beispiele aus der Praxis und der Politikberatung einfließen zu lassen. „Das ist eine Herausforderung, aber wenn einem das gelingt, kann man auch Interesse für schwierigere mathematische oder quantitative Fragestellungen wecken.“
Janeba engagiert sich auch regelmäßig in Formaten wie WISSENsdurst, Kinder-Uni oder Science Slam, in denen er seine Forschung einem breiteren Publikum nahebringt. „Es macht mir Spaß, neue Formate auszuprobieren“, sagt er. Wissenschaft müsse sich heute der Gesellschaft mehr erklären.
Aus Bremen in die Welt hinaus
Mathematik und Geschichte haben für den gebürtigen Bremer schon immer einen besonderen Reiz. Die VWL ist die ideale Verbindung aus beiden Welten. Nach seinem Schulabschluss verlässt er Bremen. Das habe dort Tradition: „In Bremen sind ja die Schifffahrt und der Handel verankert. Man geht hinaus in die Welt und kehrt nicht mehr zurück“, sagt der 61-Jährige rückblickend. Er absolviert zunächst sein Vordiplom in Kiel und geht anschließend nach Bonn, seine eigentliche Wunschuniversität. Besonders Professor Reinhard Selten, deutscher Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, beeindruckt den Studenten sehr. Er wird auch Zweitbetreuer seiner Dissertation zum Steuerwettbewerb.
Anschließend wagt Janeba einen großen Schritt und bewirbt sich in den USA. Für den jungen Wissenschaftler eine bewusste Entscheidung, um den Horizont zu erweitern und empirische Forschung kennenzulernen. Deutschland sei damals in der VWL sehr theoretisch aufgestellt gewesen, die USA boten mehr Möglichkeiten. Seine Frau folgt ihm, um ihre eigene Promotion dort fortzuführen. Statt der ursprünglich geplanten zwei Jahre bleiben sie zehn und gründen dort eine Familie. Ein solcher Wechsel bringe zwar große Herausforderungen mit sich, aber auch viele Chancen, betont er. Der Weg in die USA habe ihm gezeigt, dass die wissenschaftliche Karriere das Richtige für ihn sei. „Ich bin immer wieder überrascht, dass es geklappt hat“, gibt er heute zu.
2004 lockt dann eine Berufung an die Universität Mannheim. „Die meisten Bekannten hier in Deutschland haben gesagt: Der kommt nie wieder zurück“, sagt er amüsiert. Die Mannheimer VWL habe jedoch einen ausgesprochen guten Ruf, zudem überzeugt die Nähe zu Eltern und Verwandten. „Zehn Flugstunden sind schon eine Entfernung. Ich wäre aber auch nicht für jede deutsche Universität zurückgekommen“, gibt Janeba ganz ironiefrei zu. Also lässt sich die Familie in Heidelberg nieder.
Finanzpolitik in der Praxis
Neben seinem steuerpolitischen Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich Janeba vor allem mit finanzpolitischen Entscheidungsfragen. Dabei interessiert ihn besonders, wie Finanzpolitik in der Praxis umgesetzt wird und welche Auswirkungen sie hat. Empirische Forschung und theoretische Grundlagen gehen dabei immer Hand in Hand. Über viele Jahre befragte er Politiker*innen zu finanzpolitischen Ansichten. „Mir geht es darum, zu verstehen, wie Politik funktioniert“, sagt er.
In seinem letzten Forschungsprojekt untersuchte er die Reaktion der Stadt Mainz auf die Gewinneinnahmen durch BioNTech, die sich in hohen Gewerbesteuereinnahmen niederschlagen. Oder verkürzt gefragt: „Was macht eine Stadt, die über Nacht superreich wird?“ Mit seinem Team verglich er die Finanzen in Mainz mit anderen Städten aus Rheinland-Pfalz, um den Effekt des BioNTech-Einnahmenschocks aufzuzeigen. Interessant sei, dass Mainz die Gelder vorwiegend zum Schuldenabbau und Rücklagenaufbau genutzt hat, anstatt Investitionen zu tätigen, fasst der Forscher zusammen. Die Mehreinnahmen sind aber letztendlich nur von kurzer Dauer: „Mittlerweile ist Mainz auch schon wieder in finanziellen Nöten.“ Denn die Stadt hoffte auf länger anhaltende Gewinne. Für Janeba war das ein äußerst interessantes Forschungsprojekt aufgrund der Einzigartigkeit der Mainzer Situation, die so in der Vergangenheit noch nie untersucht wurde.
Freiräume nutzen
So könnte er noch stundenlang weitererzählen. Doch die Pflicht ruft, das nächste Meeting für das European Fiscal Board steht an. Dabei handelt es sich um ein unabhängiges Beratungsgremium der Europäischen Kommission. Seit 2025 ist er dort Mitglied und hat dafür den Vorsitz im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums niedergelegt. Die europäische Ebene habe ihn gereizt, und letztendlich wurde ihm die Doppelbelastung zu viel. „Ich betreue viele Promovierende, halte Vorlesungen, forsche – da muss man priorisieren“, sagt er lachend.
Und wie schafft man es, all diese Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen? „Spontan würde ich sagen: Ausgeschlafen sein hilft, um effizient arbeiten zu können.“ Nebenher spielt er aber auch Fußball und Basketball. Teamsport mache ihm besonderen Spaß – und natürlich hinterher noch zusammensitzen und ein Bier trinken. Das gehört eben auch dazu. Im Herbst gönnt Janeba sich zudem eine kleine Auszeit von der Lehre und macht ein Forschungssemester: Ein Aufenthalt beim Internationalen Währungsfonds in Washington und an der Universität Toronto stehen auf dem Programm. „Es ist ein großes Privileg, Zeit zum Nachdenken zu haben.“
Text: Moritz Klenk / August 2026



