Ein Wiedersehen mit … Christine Heinzel
Marketing-Dozentin, Theaterregisseurin, Coachin: Christine Heinzel hat drei Jobs – und auf keinen möchte sie verzichten, denn für die Alumna passen und ergänzen sie sich perfekt. Doch wie kam es zu dem Trio?

Anfang der 1990er Jahre: Im Bunker unter dem Ehrenhof finden noch regelmäßig Partys statt und der Kanzler der Einheit kommt aus Ludwigshafen-Oggersheim. Zu diesem Zeitpunkt beginnt Christine Heinzel ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. „Geschichten erzählen fand ich schon immer toll – auch meine Facharbeit während der Schulzeit war ein Theaterstück, das ich selbst geschrieben habe“, sagt die Alumna. „Daher wusste ich schon mit 19 Jahren, dass ich unbedingt in die Kommunikation möchte, speziell die Kommunikation rund um Produkte, also Marketing. Deshalb entschied ich mich dafür, BWL zu studieren.“
Studium in Mannheim
Während Heinzel spricht, merkt man, dass sie sich gerne an die Unizeit erinnert: Sie lacht viel und Erinnerungen sprudeln nur so aus ihr heraus. Etwa diese: Kurz vor Weihnachten legt Professor Hans Raffée ein Rilke-Gedicht auf den Overhead-Projektor, macht eine Kerze an, die gemütlich flackert, und trägt das Gedicht vor. „Für mich einer der bewegendsten Momente an der Uni“, sagt die gebürtige Mannheimerin. „Raffée war immer für uns Studierende da, ein toller Ansprechpartner, der den ganzen Menschen gesehen hat, über das Studium hinaus – ein Gedanke, der auch heute noch in der Uni verbreitet ist und den ich sehr schätze.“
P&G und Wella
Etwa im dritten Studienjahr schaut sich Heinzel nach einem Praktikum um, das sie nach ihrem Abschluss antreten will – am liebsten will sie zu P&G. Im Marketing bedeuten Praktika damals einen direkten Jobeinstieg, denn in der Regel wurde den Praktikant*innen im Anschluss eine Übernahme angeboten. „Alle wollten diese Praktika haben und die Bewerbung war sehr hart, da man sich ja quasi schon um einen richtigen Job bewarb! Ich habe mich richtig gefreut, als ich einen Platz ergattern konnte“, erklärt sie.
Nach ihrem Abschluss betreut sie bei P&G schwerpunktmäßig TV-Werbung, dreht zusammen mit Regisseur*innen Spots auf der ganzen Welt und arbeitet viel mit Kreativagenturen zusammen. Später geht sie zum Kosmetikunternehmen Wella und ist auch dort für TV-Werbung zuständig. „Wir hatten immer genau ein Set-Up für eine Werbung, die wir mit unterschiedlichen Models passend für die verschiedenen Märkte in Deutschland, Australien oder Korea gedreht haben“, sagt die Alumna.
Auch aus dieser Zeit fallen ihr Anekdoten ein („Ein Model hatte kaputte Haare, die habe ich direkt zur Stylistin geschickt, die dann zwei, drei Stunden an ihr gearbeitet hat!“) und sie lacht viel. Ebenso zu einem Gespräch mit Heinzel gehört ihre lebendige Sprache mit Ausdrücken wie „fantastisch“ oder „liebe ich“. Dabei unterstreicht sie Gesagtes stets mit Gesten. Geschichten lebendig erzählen kann sie und somit ist das Theater der richtige Ort für sie. Doch wie kommt sie auf die Bühne – oder auch dahinter?
Weg auf die Bühne
Ende der 1990er Jahre spricht Heinzel damals bei ihrer P&G-Chefin die große Arbeitsbelastung an, unter der ihre Freizeit leiden würde. „Ich bräuchte ein Hobby, meinte meine Chefin zu mir, dann würde ich auch früher gehen“, empört sich die 59-Jährige lachend. Damals verlässt sie genervt das Büro und kommt auf dem Weg zum Ausgang an einem Aufruf für eine Sängerin vorbei. „Da ich schon in meiner Schulzeit gesungen und im Theater mitgespielt habe, fand ich das in dem Moment, sauer wie ich war, perfekt und dachte mir: Da rufe ich jetzt an!“ Und so kam die Alumna wieder auf die Bühne – zunächst singend, bald darauf schauspielernd.
Beruflich geht die Reise für Heinzel weiter ins Marketing zu Cosnova, Mutterfirma der Beautymarke Essence. Nach ein paar Jahren kündigt sie, da sie mit ihrer Familie in die USA zieht. Dort arbeitet sie als Dozentin auf Englisch und behält das Theaterspielen in Amateurgruppen bei. Als sie 2011 mit der Familie zurück nach Deutschland zieht, fällt ihr auf: „Arbeiten bis 22 oder 23 Uhr im Marketing – so war das früher – funktioniert mit zwei kleinen Kindern nicht. Also habe ich beschlossen: Halbtags arbeite ich weiter als Dozentin und die andere Hälfte mache ich jetzt nur noch Theater.“
Zurück in Deutschland
So beginnt Heinzel, freiberuflich Lehraufträge anzunehmen, und arbeitet als Dozentin für Leadership Skills bei verschiedenen Trainingsinstituten und Führungskräfte-Akademien. Im Laufe der Zeit bekommt sie eine Festanstellung an der Ludwigshafener Hochschule als Dozentin für Marketing, wo sie heute noch arbeitet. „Da mir aber manche der Lehraufträge richtig viel Spaß machen, zum Beispiel als Coachin an der Führungsakademie des Landes, gebe ich diese Kurse weiterhin freiberuflich“, sagt sie.
Nebenbei betreut sie Theatergruppen in Darmstadt, Zwingenberg, Ladenburg: Die Liste ist lang. „Ich habe selbst lange gespielt, bin aber heute viel lieber in der Regie aktiv, suche das Stück aus und schreibe es passend für die Gruppe und mit ihr zusammen um“, sagt die Alumna. Aktuell leitet sie drei Theatergruppen, eine davon an der Universität Mannheim. Dort belebt sie das Unitheater im Jahr 2019 neu, bringt das erste Stück bedingt durch die Corona-Pandemie aber erst 2022 auf die Bühne. Seitdem inszeniert sie zusammen mit der Theatergruppe jedes Jahr ein neues Stück (→ mehr zum Unitheater lesen Sie in der Rubrik Campusleben).
Die Balance macht es
Und welcher der drei Jobs macht ihr am meisten Spaß? „Wenn mir die BWL zu trocken wird, freue ich mich aufs Theater. Wenn mir das Theater zu chaotisch wird, freue ich mich auf die freiberufliche Tätigkeit, in der ich frei entscheiden kann, welchen Auftrag ich annehme. Ich muss ehrlich sagen: Die Balance ist für mich das Schönste. Ich kann keine Priorität setzen“, gibt die Alumna zu und lacht ihr sympathisches und positives Lachen.
Text: Luisa Gebhardt / August 2026



