Bilder der sechs im FORUM porträtierten Professorinnen in bunten Farben. Darunter der Schriftzug: "Im Schwerpunkt: Berufung Professorin"

Im Porträt: Margret Keuper

Hörsaal statt Klassenzimmer: Als Prof. Dr. Margret Keuper Anfang der 2000er Jahre ein Lehr­amtsstudium beginnt, ahnt sie noch nicht, dass ihr Weg sie ins Barockschloss führen wird. Heute ist sie Inhaberin des Lehr­stuhls für Maschinelles Lernen – und damit lange Zeit die einzige Informatik-Professorin an der Universität Mannheim.

„Mein Werdegang ist nicht sehr stereotyp“, beginnt Margret Keuper zu erzählen. Die Mannheimer Professorin für Maschinelles Lernen sitzt am Freitagmorgen in ihrem Büro in B6 und muss lächeln, als sie sich an die Anfänge ihrer wissenschaft­lichen Karriere zurückerinnert. Denn eigentlich hat sie als Jugendliche einen anderen Traumberuf: Lehr­erin. „Die Idee, Menschen etwas beizubringen, hat mir schon immer gefallen“, begründet sie ihre Entscheidung, sich an der Universität Freiburg für die Fächer Deutsch und Französisch auf Lehr­amt einzuschreiben.

Doch dabei soll es nicht bleiben: Eine Mischung aus Wissensdrang und Neugier führt dazu, dass sie sich eines Tages in eine Informatik-Vorlesung setzt. „Wie vermutlich viele Schülerinnen hatte auch ich das Vorurteil, dass das Fach nichts für mich ist und mich langweilen würde. Aber es hat mir direkt so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, es zu studieren“, sagt Keuper. Doch nicht etwa anstelle ihres Lehr­amtsstudiums, sondern zusätzlich: „Die Studien­gänge haben sich gut ergänzt. Der Arbeits­aufwand für Informatik ist eher während des Semesters hoch, für Deutsch und Französisch habe ich in den Semesterferien viel gemacht.“

Von Ehrgeiz und Disziplin ist auch ihre weitere Karriere geprägt: Mit Staats­examen sowie Diplom in Computer Science in der Tasche steht für Keuper fest, dass sie der Informatik treu bleiben will – und auch der Forschung. „Im Nachhinein betrachtet war es vielleicht etwas naiv, nicht mal die Perspektive zu wechseln“, überlegt sie, „aber ich habe mich am Lehr­stuhl sehr wohl gefühlt“. Neben ihrem Interesse am Thema beeinflusst noch ein weiterer Faktor die Entscheidung, zu promovieren: „Fast die Hälfte der Doktorand*innen war weiblich“, erinnert sich die Forscherin. Dies sei, verglichen mit dem Anteil an Informatik-Studentinnen, eher ungewöhnlich, „aber ich fand es schön, zu wissen, dass ich dann nicht die einzige Frau bin“.

Sympathie auf den ersten Blick

Keuper bleibt also an der Freiburger Universität, auf ihre Promotion im Jahr 2012 zum Thema Computer Vision, einem Teil­bereich der Künstlichen Intelligenz, folgt eine Anstellung als Postdoc. „Ich hatte das Glück, in zwei Gruppen gleich­zeitig arbeiten und so verschiedene Blickwinkel auf Fragestellungen gewinnen zu können“, sagt sie. Neben ihrer Forschung in Freiburg arbeitet sie ab 2013 am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken, der Stadt, in der sie auch aufgewachsen ist.

Vier Jahre später führt ihr Weg sie das erste Mal nach Mannheim – als Junior­professorin für Bildverarbeitung. „Zugegeben: Ich fand vor allem die Fakultät sehr nett“, begründet sie ihre Entscheidung. „Es kommt nicht oft vor, dass man direkt denkt: Mit diesen Menschen möchte ich gern zusammenarbeiten.“ Doch auch die räumliche Nähe zu ihrer Heimat spielt eine Rolle, denn die Forscherin ist zu diesem Zeitpunkt bereits zweifache Mutter.

„Leider hatte ich damals nicht die Chance, in Mannheim zu bleiben“, fährt Keuper fort. Nach zwei Jahren als Professorin an der Universität Siegen ergibt sich jedoch die passende Gelegenheit: „Um mehr Studierende im Bereich Data Science auszubilden, hat die Universität Mannheim einen neuen Lehr­stuhl für Maschinelles Lernen geschaffen – unter anderem mit Anwendungs­schwerpunkt Computer Vision, also genau das Gebiet, auf dem ich mich spezialisiert habe. Ich bin sehr glücklich, dass es geklappt hat, weil ich die Arbeits­atmosphäre unter den Kolleg*innen und die Motivation der Studierenden sehr schätze.“

Mittlerweile ist Keuper seit mehr als zwei Jahren Inhaberin des Lehr­stuhls für Maschinelles Lernen am Institut für Informatik und Wirtschafts­informatik – und damit bis vor kurzem die einzige Professorin unter 14 Kollegen. Über weibliche Verstärkung freut sie sich immer, auch mit Blick auf die Studierenden: „Wir haben noch immer viel mehr Studenten als Studentinnen in der Informatik. Vielleicht hat es einen Einfluss auf weibliche Studien­interessierte, wenn sie sehen, dass es nur wenige Professorinnen an der Fakultät gibt“, überlegt sie. Sie nehme aber wahr, dass die Studentinnen, die sich für Wirtschafts­informatik entscheiden, oft sehr ehrgeizig und motiviert sind.

Professorin für grundlegende Dinge

Ihr Forschungs­schwerpunkt liege laut Keuper an der Schnittstelle zwischen Computer Vision und maschinellem Lernen. „Konkret heißt das: Wir entwickeln Methoden, die auf maschinellem Lernen basieren und hauptsächlich im Bereich der Bilddaten angewendet werden“, erklärt sie. Dass sie sich mehr auf die (Weiter-)Entwicklung von Methoden als auf deren Anwendung spezialisiert, habe laut der Informatikerin einen ganz einfachen Grund: persönliches Interesse. 

„Es macht mich glücklich, Dinge von Grund auf zu verstehen. Ich will nachvollziehen können, wie wir eine Methode aufbauen müssen, damit sie in möglichst vielen Anwendungs­fällen funktioniert“, bekräftigt sie. Als Beispiel nennt Keuper die Analyse von Dashcam-Aufnahmen: „Wenn ich meine Methode nur mit Videos trainiere, die tagsüber aufgenommen wurden, habe ich ein Problem, sobald die Dämmerung eintritt. Also schauen wir uns an: Wie gut funktioniert die Analyse unter verschiedenen Bedingungen und was müssen wir ändern, um die Methode an diese anzupassen?“

Verständnis und Unter­stützung

Wenn die Professorin über ihre Forschung spricht, wird schnell deutlich: Informatik ist ihre große Leidenschaft. Und was gibt es Schöneres, als diese mit jemandem zu teilen? „Mein Mann ist ebenfalls Informatik-Professor“, verrät Keuper. „Oft ist das auch hilfreich, da wir gegenseitig Verständnis dafür haben und uns unter­stützen, wenn berufliche Dinge nicht aufgeschoben werden können.“

Das Paar lebt in Homburg, etwa eine Autostunde von Mannheim entfernt, gemeinsam mit ihren fünf Kindern. „Eher ländlich“, sagt sie lachend, „wir brauchen viel Platz“. Und auch, wenn sie durch ihre Wahlheimat einen etwas längeren Weg ins Büro hat, nimmt sie das gern in Kauf – denn die saarländische Stadt liegt ideal zwischen ihrem Arbeits­ort Mannheim und ihrem Heimatort Saarbrücken.

Text: Jessica Scholich / April 2026


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