Verschiedene bunte Comicköpfe sind oben und unten in zwei Reihen zu sehen. Dazwischen steht: Fit für die Zukunft. Die Forschungsstrategie der Uni Mannheim.

Freiraum für Forschungs­ideen

Wenn aus einem Wunsch Wirklichkeit wird: Seit April 2025 bietet das Center for Advanced Studies (CAS) Wissenschaft­ler*innen der Universität Mannheim Freiräume, um gemeinsam neue Forschungs­ideen zu entwickeln. Der vielleicht wichtigste Aspekt des CAS dabei: die Zusammenarbeit über Disziplingrenzen hinweg.

Ein riesiger, lichtdurchfluteter Raum, rechts eine einladende Sofaecke, mit Stoff ummantelte Sitzbälle, dahinter geschmackvolle Kunst an den Wänden. Links ein beeindruckender Besprechungs­tisch: Fünf Professor*innen der Uni Mannheim sitzen hier heute, der sechste ist auf einem großen Bildschirm dazugeschaltet. Die Stimmung ist ausgezeichnet, es wird vertraut gelacht und gescherzt. Bis eben aber wurde noch konzentriert konferiert – davon zeugen die Mitschriften auf dem Tisch. 

Dass das CAS eröffnet wurde und die erste Kohorte nun gemeinsam am großen Tisch im B6-Quadrat sitzt, sei „das glückliche Ergebnis eines langen Prozesses“, weiß Michael Gebhard, Leiter des Dezernats I für Forschungs­angelegenheiten und Qualitäts­management, nur zu gut. Denn er hat diesen Prozess schon unter­stützt, als die Idee vom CAS noch ein Traum ins Blaue war. „Die Grundidee, eine Einrichtung zu schaffen, in der Wissenschaft­ler*innen Freiräume haben, neu zu denken, und ein stimulierendes Umfeld haben, um in Kontakt zu kommen, die gibt es schon lange“, erinnert sich Rektor Prof. Dr. Thomas Fetzer. Ein Ort, an dem der Forschungs­geist frei fließen dürfe, an den sich Wissenschaft­ler*innen über längere Zeit zurückziehen könnten, völlig frei vom Alltagsgeschäft, um komplett in ihre Forschung einzutauchen.

Von Wunsch zur Wirklichkeit

Dass hinter diesem Wunsch eine echte Dringlichkeit steckt, erfährt Fetzer in den zahlreichen Gesprächen, die er 2022 als damaliger Prorektor für Struktur- und Entwicklungs­planung im Zuge der Strategie­planung führt: „Ein Punkt, der vielfach vorgetragen wurde, war, dass man gern mehr Zeit und Freiräume zur Entwicklung von Forschungs­ideen hätte und es toll wäre, wenn an der Universität Mannheim eine Einrichtung bestünde, wo das einfach möglich ist.“ Der Entschluss zur konkreten Umsetzung sei aus diesen Gesprächen erwachsen: Ein Austausch mit der Stiftung Universität Mannheim wurde angestoßen, um die mögliche Finanzierung zu erörtern, und das CAS wurde als ein fester Punkt hineingeschrieben in den Struktur- und Entwicklungs­plan, der 2023 verabschiedet wurde. 

Seit gut zwei Jahren haben viele Köpfe daran gearbeitet, aus dem Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Zu diesem Zweck wurde eine Gründungs­kommission gebildet, besetzt mit internen und externen Wissenschaft­ler*innen, die gemeinsam die Rahmenbedingungen des CAS erarbeitet hat:  Wie soll es aufgezogen werden, wie lauten die Spielregeln? „Dabei wurde festgelegt, dass das CAS seinen Fokus auf Interne legt. Momentan dürfen sich also ausschließlich Professor*innen der Uni Mannheim bewerben“, erklärt Prof. Dr. Jutta Mata, Prorektorin für Forschung und wissenschaft­liche Karrierewege sowie geschäfts­führende Direktorin des CAS, die dessen Einrichtung federführend vorangetrieben und ausgestaltet hat.

Da das CAS ein fester Bestandteil der Organisations­struktur der Uni Mannheim werden soll – eine eigene zentrale wissenschaft­liche Einrichtung –, war ebenso schnell klar, dass es dafür einen festen Ort geben muss. „Und so machten wir uns auf die Suche nach attraktiven Räumen, in denen man sich wohlfühlt, wo man gerne hingeht“, erzählt Dezernatsleiter Gebhard. Pro Jahr werden bis zu zehn Fellow­ships vergeben, verteilt auf zwei Kohorten: im Frühjahrs-/Sommersemester und im Herbst-/Wintersemester. Ein Fellow­ship umfasst eine Professur­vertretung und wird mit Hilfe von Drittmitteln finanz­iert. Maßgeblich unter­stützt wird die Universität Mannheim bei der Finanzierung der Fellow­ships von Dr. Hans-Peter Wild, der als Förderer der Stiftung Universität Mannheim das Beste-Köpfe-Programm initiiert hat

Gemeinsam und über Fächergrenzen hinweg sollen hier Ideen entwickelt werden, die Fellow­ships werden nur an interdisziplinäre Teams vergeben. Für Mata war deshalb wichtig, dass Räumlichkeiten geschaffen werden, die den Teamspirit fördern: „Das CAS lebt auch von gemeinsamen Aktivitäten, sei es entspannt einen Kaffee trinken oder zu Mittag essen. Es soll ein einladender Ort sein, an dem die Gedanken im besten Sinne des Wortes frei sind und man zusammen neue Dinge entwickeln kann.“ 

Zeit und Raum

Und in der Tat fühlt sich die erste Kohorte hier sichtlich wohl. Längst hat sie die schicken Räume mit Leben gefüllt, das wird beim Rundgang deutlich. Die Kaffeemaschine verströmt einen köstlichen Duft, nebenan gibt es drei Einzelbüros ausgestattet mit Schallschlucktüren, einem Sportfahrrad (Prof. Dr. Simone Ponzetto ist begeisterter Nutzer) und höhenverstellbaren Schreibtischen. Für die erste Ausschreibungs­runde wurden im vergangenen Jahr sechs Fellows aus drei Fakultäten ausgewählt – ein echter Glücksfall, was auch deutlich wird, wenn Prof. Dr. Carola Trips die Kennenlerngeschichte der sechs Forschenden erzählt: Bereits seit 2024 ist die interdisziplinäre Gruppe in Kontakt, initiiert hatte diesen Trips gemeinsam mit Prof. Charles Yang, Ph.D., der damals in Mannheim forschte und nun Gast der Kohorte ist. 2025 hielt sie eine gemeinsame Ringvorlesung, die großen Anklang fand, und bewarb sich anschließend auf die Ausschreibung des CAS – mit Erfolg. „Tatsächlich haben wir uns inhaltlich echt etwas zu sagen und wir funktionieren als Gruppe gut, wir mögen uns und lernen enorm viel voneinander“, erzählt Trips und blickt in die Runde, in der Sprach­wissenschaft­lerinnen und Psycholog*innen neben einem Philosophen sitzen und der Computer­linguist per Videocall mitdiskutiert. 

„Wir nehmen die Kohorten semesterweise auf, die zweite steht also schon in den Startlöchern“, erklärt Gebhard und führt aus: „Bei jeder Bewerbungs­runde ist es so, dass die Bewerbungen, die eingehen, dem neunköpfigen wissenschaft­lichen Beirat des CAS vorgelegt werden, der dann ein Ranking vornimmt und eine Empfehlung ausspricht.“ Die finale Entscheidung, welches Forschungs­team den Zuschlag erhält, trifft dann das CAS-Direktorium, bestehend aus Prorektorin Mata sowie Prof. Volker Nocke, Ph.D., und Prof. Dr. Dirk Simons.

Und so setzt sich die zweite Kohorte, die im September 2026 startet, aus zwei zweiköpfigen Teams zusammen: Prof. Dr. Stefanie Schäfer (Anglistik) und Prof. Dr. Matthias Kohring (Medien- und Kommunikations­wissenschaft) sowie Prof. Dr. Richard Traunmüller (Politik­wissenschaft) gemeinsam mit Prof. Dr. Oliver Spalt (BWL). Gebhard weiß: Die Vorfreude ist schon da, gerade erst habe er zwei der neuen Fellows die CAS-Räume gezeigt und die hätten sich begeistert umgesehen („Hier sind wir ja gerne!“). Mata ist sehr zufrieden, dass das CAS so gut angenommen wird, denn der Bedarf nach Austausch sei enorm. Auch in den neu definierten Forschungs­schwerpunkten sieht sie eine echte Chance der Vernetzung. „Wenn sich dann Teams finden, die sich für ein Semester ganz auf die Weiter­entwicklung ihrer Ideen konzentrieren wollen, dann haben wir jetzt die passende Infrastruktur und können sagen: Na klar, hier gibt es das CAS, bewerbt euch!“

Text: Jule Leger / August 2026


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