Gebündelte Kompetenzen: Die neuen Forschungsschwerpunkte
Im Jahr 2025 hat die Universität Mannheim in einem breit angelegten, partizipativen Prozess ihre Forschungsschwerpunkte neu definiert. Die Forschungsschwerpunkte bündeln fakultäts- und disziplinenübergreifend Kompetenzen, eröffnen Anknüpfungspunkte für Kooperationen und machen die Forschungsstärken der Universität sichtbar. Wissenschaftler*innen verschiedenster Fachbereiche forschen dabei gemeinsam an der Frage, wie sich moderne Gesellschaften verstehen und so weiterentwickeln lassen, dass sie den Herausforderungen tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationen gewachsen sind. Dabei stehen sowohl die Entwicklung von Modellen als auch die Rahmenbedingungen erfolgreicher Implementierung neuer Technologien und deren Akzeptanz in der Gesellschaft im Fokus.
Märkte und Unternehmen im Wandel

Schwerpunktsprecher:
- Prof. Dr. Moritz Kuhn (Professur für VWL, Angewandte Politische Ökonomie)
- Prof. Dr. Oliver Spalt (Lehrstuhl für ABWL, Finanzwirtschaft und Finanzmarktinstitutionen)
Digitalisierung, demografischer Wandel und technologische Innovationen verändern, wie Unternehmen produzieren, wie Menschen arbeiten und wie Märkte funktionieren. Neue Technologien schaffen Raum für Produktivität und Wachstum, verschieben aber auch Tätigkeiten, Qualifikationsanforderungen und Wettbewerbsbedingungen. Eine alternde Gesellschaft verändert das Arbeitskräfteangebot, Konsummuster und die Vorsorge.
Zu diesen langfristigen Entwicklungen kommen Finanzkrisen, technologische Durchbrüche oder geopolitische Konflikte, die Märkte abrupt erschüttern können. Gerade für Deutschland und Europa entscheidet der Umgang mit diesem Wandel über Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wie lassen sich Chancen nutzen und zugleich wirtschaftliche und gesellschaftliche Widerstandskraft stärken?
Im Zentrum des Forschungsschwerpunkts Märkte und Unternehmen im Wandel steht deshalb die Frage, wie Märkte Talent und Kapital lenken. Welche Ideen finanziert werden, welche Unternehmen wachsen und wer von Veränderungen profitiert, hängt auch von Institutionen, Regulierung, Friktionen und Marktmacht ab. Der Schwerpunkt betrachtet daher Marktordnung, Unternehmensentscheidungen und das Verhalten von Haushalten im Zusammenhang. So wird sichtbar, wie Innovation und Investitionen entstehen, wie Menschen über Arbeit, Konsum und Vorsorge entscheiden und wie sich der Wandel auf Chancen, Ungleichheit und gesellschaftliche Akzeptanz auswirkt.
Um diese Wechselwirkungen zu verstehen, verbinden die beteiligten Forschenden wirtschaftliche, rechtliche, technologische und gesellschaftliche Perspektiven. Der interdisziplinäre Ansatz vereint die vielfältigen Forschungsstärken der Universität Mannheim. Im Mittelpunkt steht wissenschaftliche Grundlagenforschung, die zugleich Anwendungen und den Wissenstransfer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mitdenkt. Ziel sind Erkenntnisse darüber, wie Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz mit sozialer Inklusion und den Prinzipien des europäischen Sozialstaatsmodells verbunden werden können.
Forschungsprojekte:
- Sonderforschungsbereich / Transregio 266: Accounting for Transparency
- Sonderforschungsbereich / Transregio 224: Ökonomische Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen
- Gesundheit, Arbeit und Umwelt im postindustriellen Europa (ERC Consolidator Grant)
- Fair Competition in App Markets (ERC Starting Grant)
- Dignity (Zweite Kohorte des Center for Advanced Studies)
Ungleichheit, Demokratie und Gemeinwohl

Schwerpunktsprecher*innen:
- Prof. Sabine Carey, Ph.D. (Professur für Politikwissenschaft, Internationale Beziehungen)
- Prof. Dr. Michael W. Müller (Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europäisches Wirtschaftsrecht und Rechtsphilosophie)
Moderne demokratische Gesellschaften stehen vor tiefgreifenden Veränderungen: Demografischer Wandel, Digitalisierung, ökologische Transformation und geopolitische Verschiebungen verändern gesellschaftliche Rahmenbedingungen ebenso wie politische Entscheidungsprozesse und die Verfolgung öffentlicher Interessen. Zugleich werfen diese Entwicklungen neue Fragen nach demokratischer Teilhabe, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Vertrauen in demokratische Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene auf.
Vor diesem Hintergrund widmet sich der Forschungsschwerpunkt dem Verhältnis zwischen Ungleichheit, Demokratie und Gemeinwohl in modernen Gesellschaften. Besonders im Fokus der beteiligten Forschenden steht die Frage, wie soziale, wirtschaftliche und informationsbezogene Ungleichheiten politische Teilhabe, demokratische Entscheidungen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Verfolgung öffentlicher Interessen beeinflussen.
Die beteiligten Forschenden der Universität Mannheim untersuchen verschiedene Formen von Ungleichheit sowie deren Wahrnehmung und Bewertung durch Individuen und gesellschaftliche Gruppen, um die Auswirkungen dieser Faktoren auf politische Entscheidungen, gesellschaftliche Teilhabe und das Vertrauen in demokratische Institutionen besser zu verstehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Untersuchung von individuellen und kollektiven Entscheidungsprozessen sowie von psychologischen, sozialen und politischen Faktoren, die die Verbreitung und Bewertung politisch und gesellschaftlich relevanter Informationen beeinflussen. Der Forschungsschwerpunkt verbindet Perspektiven aus den Sozial-, Wirtschafts-, Rechts- und Geisteswissenschaften, um die Herausforderungen und Perspektiven demokratischer Gemeinwesen im Kontext des gesellschaftlichen Wandels zu analysieren.
Forschungsprojekte:
- Sonderforschungsbereich / Transregio 266: Accounting for Transparency
- Sonderforschungsbereich / Transregio 224: Ökonomische Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen
- Dignity (Zweite Kohorte des Center for Advances Studies)
Lernende Individuen, Organisationen, Gesellschaften und Kulturen

Schwerpunktsprecherinnen:
- Prof. Dr. Carmela Aprea (Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme)
- Prof. Dr. Stefanie Schäfer (Lehrstuhl für Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft)
Der Forschungsschwerpunkt Lernende Individuen, Organisationen, Gesellschaften und Kulturen befasst sich mit einem komplexen Zusammenspiel von Prozessen auf der Mikro- und auf der Makroebene: Jeder Mensch denkt, lernt und erinnert individuell. Auch unsere Wahrnehmung der Außenwelt ist individuell. Wie wirkt diese individuelle Kognition mit Emotionen und gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen?
Im Fokus der Forschenden der Universität Mannheim steht die Frage, wie Menschen Kompetenzen und Sprache erwerben und entwickeln und wie sie Entscheidungen unter Unsicherheit treffen. Dabei betrachten die Wissenschaftler*innen, wie psychologische Prozesse mit globalen Transformationsprozessen interagieren. Das heißt, sie untersuchen das Zusammenspiel von menschlichem Verhalten und globalen Veränderungen wie dem Klimawandel, der Digitalisierung oder dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Gemeinsam analysieren die Forschenden zudem die Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenhalts – dazu gehören beispielsweise Vertrauen und Misstrauen, Netzwerke und soziale Bewegungen. Dabei nehmen sie auch in den Blick, welchen Einfluss institutionelle und postkoloniale Ungleichheiten auf gesellschaftliche Teilhabe haben.
Das interdisziplinäre Forschungsteam befasst sich auch mit weiteren drängenden aktuellen Fragestellungen wie der Mensch-Maschine-Interaktion. Es nimmt die Trennlinien zwischen menschlicher Kognition und Künstlicher Intelligenz in den Blick und erforscht die Akzeptanz und emotionale Wahrnehmung von Algorithmen.
Forschungsprojekte:
- PARFORM – Partnersuche der neu zugewanderten Flüchtlinge in Deutschland (ERC Consolidator Grant)
- „The Big Two“: Durchsetzungsfähigkeit und Gutmütigkeit (ERC Consolidator Grant)
- Knowledge acquisition, representation and application in human minds and machines (Erste Kohorte des Center for Advanced Studies)
- Distrust (Zweite Kohorte des Center for Advances Studies)
Modelle, Methoden und Daten

Schwerpunktsprecher:
- Prof. Dr. Florian Keusch (Lehrstuhl für Social Data Science und sozialwissenschaftliche Methodenlehre)
- Prof. Dr. Simone Ponzetto (Lehrstuhl für Informationssysteme III: Unternehmensdatenanalyse)
Ob Smartphone, Online-Banking, soziale Medien oder intelligente Haushaltsgeräte – Daten sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und durchziehen nahezu alle Bereiche unseres Lebens. Wissenschaftler*innen erheben sie einerseits gezielt bei Umfragen und Experimenten. Andererseits entstehen sie oftmals unbewusst, etwa bei der Nutzung digitaler Endgeräte und sozialer Netzwerke sowie bei Prozessen in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen.
Um individuelles Verhalten, soziale Dynamiken, politische Entscheidungen und wirtschaftliche Entwicklungen zu verstehen, braucht es mehr als große Datenmengen: Entscheidend sind leistungsfähige Modelle und innovative Methoden, die aus qualitativ hochwertigen Daten belastbare Erkenntnisse gewinnen – etwa KI-gestützte Verfahren für die Vorbereitung, Durchführung und Analyse von Befragungen, die eine schnelle Reaktion auf gesellschaftlich relevante Entwicklungen wie Wahlen, Pandemien oder die Verbreitung neuer Technologien ermöglichen.
Ein Schwerpunkt der empirisch-analytischen Forschung an der Universität Mannheim ist die Entwicklung und Anwendung moderner Verfahren, um gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Veränderungsprozesse besser zu erfassen, zu analysieren und zu erklären. Dazu gehören unter anderem Prozesse wie der demographische Wandel, Veränderung des Wahlverhaltens, Digitalisierung und Automatisierung sowie Auswirkungen neuer Gesetze und politischer Reformen.
Forschende aus den Wirtschafts-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften arbeiten im Forschungsschwerpunkt Modelle, Methoden und Daten gemeinsam an innovativen Ansätzen in Bereichen wie Survey-Methodologie, Ökonometrie, Social Data Science, Maschinellem Lernen, Künstlicher Intelligenz und kausaler Inferenz. Sie entwickeln, testen und implementieren neue Verfahren zur Gewinnung, Verarbeitung und Analyse von Daten aus unterschiedlichsten Quellen.
Für die Forschung der Universität Mannheim steht ein verantwortungsvoller, ethisch und rechtlich fundierter Umgang mit Daten und Analysemethoden im Mittelpunkt.
Forschungsprojekte:
- Sonderforschungsbereich / Transregio 224: Ökonomische Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen
- Gesundheit, Arbeit und Umwelt im postindustriellen Europa (ERC Consolidator Grant)
Texte: Redaktion / August 2026



