Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

„Mannheim war meine erste und einzige Wahl“

Edin Hodzic ist 32 Jahre alt, stammt aus Bosnien und studiert im zweiten Semester Englisch im Bachelor of Education. Vor seinem Studium in Mannheim hat er in Norwegen und in den USA gelebt und als Erdbeerpflücker, Übersetzer und Verkäufer gearbeitet. In seiner myUniMA story erzählt er, warum er sich vor drei Jahren für ein Leben in Deutschland entschieden hat und was ihm an der Universität Mannheim besonders gefällt.

Was hast du vor deinem Studium in Mannheim gemacht?

Ich komme aus Bosnien und habe dort bis zum Ausbruch des Krieges gelebt. 1992 bin ich dann mit meiner Familie nach Norwegen gegangen. Vier Jahre später sind wir wieder nach Bosnien zurückgekehrt, ich habe dort die Schule beendet und anschließend englische Sprache und Literatur studiert. Im Rahmen meines Studiums habe ich auch ein Auslands­semester in den USA verbracht. Als ich wieder in Bosnien war, habe ich erfahren, dass mir meine Studien­zeit in den USA nicht anerkannt wird. Ich war deshalb sehr enttäuscht, habe mein Studium abgebrochen und angefangen, zu arbeiten. Egal ob Erdbeerpflücker, Siebdrucker, Verkäufer, Kameramann oder Übersetzer: Ich habe die verschiedensten Jobs gemacht.

Warum hast du dich für ein Leben in Deutschland entschieden?

Ich wusste eigentlich schon immer, dass ich nicht in Bosnien bleiben werde. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich überlegt, in welchem Land wir uns etwas Neues aufbauen wollen. Auf Deutschland sind wir gekommen, weil ich schon etwas Deutsch sprach. Ich habe mir durch Fernsehserien ein wenig Deutsch beigebracht und das dann an meine Frau weitergegeben. Sie hat dann auch als Erste das Visum bekommen, um das wir uns beide beworben hatten. Während sie also in Deutschland gearbeitet hat, musste ich leider noch ein Jahr warten und bin in der Zwischenzeit zwischen Bosnien und Deutschland mit dem Bus gependelt. Vor zwei Jahren habe ich dann endlich meine Papiere bekommen und wohne seitdem gemeinsam mit meiner Frau in Deutschland.

Warum hast du dich für ein Studium an der Uni Mannheim beworben?

Als ich in Deutschland war, habe ich zunächst ein Jahr lang als Siebdrucker gearbeitet, das kannte ich ja schon von zu Hause. Doch ich wollte mein in Bosnien angefangenes Studium in englische Sprache und Literatur beenden und habe mich deshalb an der Uni beworben. Als ich noch zwischen Deutschland und Bosnien mit dem Bus gependelt bin, war Mannheim immer die Endhaltestelle meiner Busfahrt. Deshalb war Mannheim die erste deutsche Stadt, die ich kennengelernt habe und die mir bekannt war. Mannheim war darum auch meine erste und einzige Wahl, ich habe mich an keiner weiteren Universität beworben.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Deutschland und Bosnien?

In Bosnien gibt es sehr viel Korruption und es ist schwierig, einen Arbeits­platz zu finden. Obwohl der Krieg über 20 Jahre her ist, kann man dessen Auswirkungen immer noch spüren. Als ich von meinem Auslands­semester in den USA zurückgekommen bin, habe ich einen richtigen Kulturschock erlebt. Ich habe in Deutschland auch viel mehr Optionen für mein Berufsleben und kann zum Beispiel auch mal Urlaub machen. Ich möchte trotz der Unterschiede aber mein Bestes geben, um mich hier einzugewöhnen, mitsamt Steuerzahlung, Mülltrennung und allem, was dazugehört.

Gibt es etwas, das dir besonders gut an deinem Studium in Mannheim gefällt?

Ich mag das Gefühl, dass es jetzt weitergeht und dass ich mein Studium beenden kann. In Bosnien spürte ich immer eine große Ungewissheit im Hinblick auf die Zukunft, das ist jetzt nicht der Fall. Generell finde ich es schön, dass die Menschen hier viel zugänglicher und positiver sind als in Bosnien.

Text: Tina Ratajczyk / März 2020