Phuong Thao Do / Foto: Jula Jacob

Wenn die Uni zum Sprungbrett für die vielfältigsten Erfahrungen wird

Phuong Thao kommt aus Vietnam und studiert den Bachelor Kultur und Wirtschaft mit Schwerpunkt Medien- und Kommunikations­wissenschaften im fünften Bachelor­semester. Sie möchte möglichst viele der Möglichkeiten, die ihr das Studium eröffnet, nutzen. Warum sie sich für ein Studium an der Universität Mannheim entschieden hat, wie sie ihre Zeit außerhalb der Universität verbringt und was ihre Ziele sind, könnt ihr in der neuen myUniMA story nachlesen.

Wie kam es dazu, dass du ein Studium an der Uni Mannheim begonnen hast?

Schon als ich auf die High-School ging, träumte ich davon, im Ausland zu studieren. In meinem ersten Studien­jahr an einer vietnamesischen Universität lernte ich dann viele internationale Studierende kennen. Das bestärkte mich in meinem Wunsch. Ich fand heraus, dass Deutschland ein tolles Land zum Studieren ist. Daher begann ich in Vietnam Deutsch zu lernen und im Anschluss besuchte ich für ein Jahr eine Sprachschule in Hamburg und das Studien­kolleg in Mainz. Danach suchte ich nach einem passenden Studien­gang. Ich interessiere mich sehr für Medien- und Kommunikations­wissenschaften, wollte aber ebenso mehr im Bereich BWL lernen. Da war der Mannheimer Bachelor in Kultur und Wirtschaft mit Schwerpunkt Medien- und Kommunikations­wissenschaften einfach perfekt für mich.

Wie waren deine ersten Eindrücke von der Universität und von der Stadt?

Während der ersten zwei Wochen erhielten wir viele Informationen, Angebote und Geschenke von der Uni und der Stadt Mannheim. Ich traf sogar einmal den Bürgermeister und konnte ein Foto mit ihm zusammen machen. Das war eine Ehre für mich. Ich fühlte mich hier in Mannheim sofort sehr willkommen.

Was mir an Mannheim zuerst auffiel und besonders gefällt, ist, dass die Stadt sehr klar strukturiert ist. Der Schachbrett-Aufbau ähnelt dem, was ich aus Vietnam kenne: In meiner Heimatstadt gibt es auch Bezirke, die nach einem solchen Prinzip geordnet sind.

Und wie war der Studien­beginn für dich?

Ich habe von Anfang an so viel Unterstützung von allen Seiten erfahren! Zuerst lernte ich lauter tolle deutsche Studierende kennen, weil es in meiner Fakultät nicht viele Internationalsgibt. Außerdem halfen mir meine Professoren sehr! Ich erinnere mich, dass ich anfangs in den Vorlesungen noch nicht viel verstand, aber ich ließ mich davon nicht entmutigen. Ich bat meinen Professor häufig um Hilfe und einmal hat er sogar seine Mittagspause verschoben, nur um mir zu helfen. Zu dieser Zeit war ich voller Zweifel, was meine Deutsch­kenntnisse und meine Fähigkeiten, in Deutschland zu studieren, anging. Der Professor gab mir viele hilfreiche Ratschläge und empfahl mir, mich auf das Lernen und nicht auf die Noten am Semesterende zu konzentrieren. Dafür bin ich so dankbar. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Wie kommst du jetzt mit dem Online-Semester zurecht?

Im Online-Semester fehlen mir besonders meine Freunde. Außerdem hatte ich für dieses Semester ein Auslands­semester an der University of Technology in Sydney geplant. Durch Corona konnte ich es nicht antreten. Aber ich bin optimistisch, weil die Uni Mannheim so viele interessante Austausch­programme anbietet und ich weiß, dass die Zukunft immer etwas Neues für mich bereithält.

Abgesehen davon hat das Online-Semester für mich auch Vorteile: Weil alle Vorlesungen in unserem Portal hochgeladen werden, kann ich sie mir ansehen, wann ich möchte und so oft ich möchte. So kann ich meinen Stundenplan flexibel an meine Arbeits­zeiten angleichen.

Du arbeitest also neben deinem Studium?

Ja. Mein erster Job war im Social-Media-Team des Instituts für Sport. Wegen Corona musste ich dort aufhören, aber inzwischen habe ich einen neuen Werkstudentenjob in einem kleinen Start-up und es gefällt mir dort sehr gut. Außerdem habe ich letzten Sommer das Akademische Auslands­amt unterstützt. Dort empfing ich Internationals, führte sie über den Campus und begleitete sie durch den ganzen Immatrikulations­prozess. Als ich die neuen Studierenden traf, hatten sie viele Fragen. Das erinnerte mich daran, wie ich vor drei Jahren genauso ahnungs­los an die Uni kam. Mir haben damals so viele Menschen geholfen, deshalb war es eine tolle Gelegenheit für mich, etwas zurückzugeben.

Was unternimmst du sonst in deiner Freizeit?

Ich mag es sehr zu kochen. Meine Freunde mögen vietnamesisches Essen sehr, deshalb koche ich auch öfter für sie. Das ist eine tolle Sache für mich, weil ich ihnen dadurch die vietnamesische Kultur näherbringen kann.

Außerdem gibt es so viele verschiedene Initiativen an der Uni Mannheim, die mich sehr interessieren. Dieses Semester möchte ich an den Treffen von Q-Summit teilnehmen – es geht dort um Innovation, Veranstaltungen und Start-ups, und das sind genau die Themen, die mich ansprechen. Ich könnte mir vorstellen, selbst eines Tages ein Start-up zu gründen.

Gibt es kulturelle Unterschiede zwischen Vietnam und Deutschland, die dir besonders auffallen?

Da ist einerseits die Pünktlichkeit. Deutsche scheinen immer pünktlich zu sein, deshalb versuche ich mir das auch anzugewöhnen. Außerdem habe ich beobachtet, dass sich junge Menschen in Deutschland viel stärker für Politik interessieren. Ein Freund erklärte mir, dass es ihm sehr wichtig sei, sich mit Wahlen zu befassen, weil er in diesem Land lebt und man die Themen nicht ignorieren könne. Daraufhin realisierte ich, dass er Recht hat und begann mich selbst mehr mit politischen Themen zu beschäftigen. Allgemein fallen mir immer wieder kulturelle Unterschiede auf, aber ich respektiere sie und versuche immer, das Warum zu verstehen und dann passe ich mich an.

Was macht dich rückblickend auf deine Erfahrung an der Universität Mannheim besonders stolz?

Ich bin stolz auf mich, weil ich immer mein Bestes gegeben habe und immer „am Ball geblieben bin“, wie man hier sagt. Manchmal war ich sehr erschöpft und voller Selbstzweifel, aber dann habe ich so viel Unterstützung von allen Seiten bekommen. Die Universität Mannheim war eine Art Sprungbrett für mich: Hier wurden mir immer wieder neue Wege eröffnet – es gab immer neue Lerninhalte und tolle Vorlesungen, ich machte erste Arbeits­erfahrungen und lernte viele neue Freunde kennen.

Text: Sarah Kempe / November 2020