Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Gastvortrag: Dr. Dominic Roser (Fribourg)

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EW 145

Gegen die Rede von Kindern als Klimabelastung

Sollten wir die Bevölkerungs­größe beeinflussen, um Klimaziele zu erreichen? In diesem Vortrag argumentiere ich nicht primär für ein Ja oder Nein zu dieser Frage, sondern hauptsächlich dafür, dass wir diese Frage nicht öffentlich diskutieren sollten.

Zwei Beobachtungen liegen dieser These zugrunde. Erstens ist die Diskussion über die Bevölkerungs­größe nicht selten mit rassistischen, sexistischen oder lebensverneinenden Einstellungen, fehlender Sensibilität gegenüber unfreiwillig kinderfreien Paaren und belastendem Druck auf potenzielle zukünftige Eltern verbunden. Einige dieser Probleme sind in der Debatte vermeidbar, andere kaum. Zweitens bietet die Diskussion über die Bevölkerungs­größe erstaunlich wenig Mehrwert für das Klima. Gegeben, dass die gesamten Treibhausgasemissionen sehr schnell auf Null sinken müssen, ist die Bevölkerungs­größe nur ein kleiner Teil der Gesamtlösung für den Klimawandel. Und soweit sie Teil der Lösung ist, kann sie zumindest teilweise als Nebeneffekt der Verfolgung nicht-ökologischer Ziele wie Geschlechtergleichstellung und wirtschaft­liche Gerechtigkeit erreicht werden. Hinzu kommt, dass einige der prominent genannten Zahlen zum Klimaeffekt des Kinderkriegens auf fragwürdigen Annahmen basieren.

Kombiniert man die beiden Beobachtungen, so scheint es, dass die Diskussion über die Bevölkerungs­größe verschiedene Nachteile und wenig Vorteile mit sich bringt. Die oft beklagte Tabusierung der Bevölkerungs­frage ist somit gar nicht so beklagenswert.