Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar wird weltweit an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Anlass ist die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungs­lagers Auschwitz Birkenau. Auch an der Universität Mannheim steht dieser Tag im Zeichen der Erinnerung und wissenschaft­lichen Aufarbeitung: Die Provenienzforschung der Universitäts­bibliothek Mannheim unter­sucht Spuren von Enteignung und Verfolgung, die sich bis heute in ihren Beständen finden.

Mit der Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 begannen die Nationalsozialisten, unliebsame Organisationen und Privatpersonen, insbesondere jüdische Bürger*innen, Schritt für Schritt ihrer Rechte zu berauben. Im Zuge der Verfolgung und Vernichtung von Menschen bereicherte sich der NS-Staat auch an deren Eigentum – einschließlich ihren Büchern.

Die Universitäts­bibliothek Mannheim unter­sucht seit 2024 einen Teil ihrer historischen Bestände systematisch auf diese Art Kulturgut, das Jüd*innen während der NS-Zeit entzogen wurde. Nachforschungen ergaben beispielsweise den Fund von zwei Büchern, die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken. In beiden wurden Autogramme von Elsa Gumberich entdeckt.

Bücher der Krankenschwester Elsa Gumberich im Bestand der Universitäts­bibliothek

Elsa Gumberich wurde am 12. Oktober 1885 in Baiertal (Kreis Heidelberg) geboren und arbeitete als Krankenschwester in Mannheim. Im Jahr 1931 wurde sie Oberschwester des jüdischen Krankenschwesternheims, das in Mannheim bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts existierte. Im Zuge der Zusammenlegung des Krankenschwesternheims mit dem neu erbauten Israelitischen Krankenhaus zog sie gemeinsam mit drei weiteren Krankenschwestern in die Collinistraße 47. Der Komplex aus Krankenhaus und Altersheim wurde während der NS-Zeit zu einem der zentralen Orte der Deportation der jüdischen Bevölkerung Mannheims.

Am 22. Oktober 1940 wurde Elsa Gumberich in das Internierungs­lager Gurs am Rand der französischen Pyrenäen deportiert und kam später in das Vernichtungs­lager Auschwitz-Birkenau. Nach der Ankunft in Auschwitz wurden 62 Frauen und 233 Männer von insgesamt 1007 Deportierten aus Gurs an der berüchtigten Rampe als arbeits­fähig eingestuft; nur 11 überlebten bis 1945. Die Spur von Elsa Gumberich verliert sich noch am Gleis in Auschwitz – sie wurde Opfer des Holocaust.

Provenienzforschung an der Universitäts­bibliothek Mannheim

Elsa Gumberich ist eine von einigen jüdischen Frauen und Männern, deren Besitz sich in der Universitäts­bibliothek auffinden lässt. Mithilfe der Nachforschungen durch die Provenienzforschung sollen solche Verdachtsfälle erfasst, sichtbar gemacht und an die rechtmäßigen Eigentümer*innen oder deren Nachfahr*innen zurückgegeben werden.

Weitere Informationen zum Provenienzforschungs­projekt finden Sie auf der Website der Universitäts­bibliothek.

Kontakt:

Viktor Boecking
Leitung Abteilung Kommunikation und Fach­referat Geschichte
Universitäts­bibliothek Mannheim
Tel.: +49 621 181-2938
E-Mail: viktor.boeckingmail-uni-mannheim.de

Ellen Wendel
Wissenschaft­liche Mitarbeiterin Provenienzforschung
Universitäts­bibliothek Mannheim
Tel.: +49 621 181-3365
E-Mail: ellen.wendelmail-uni-mannheim.de

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