In Vinolin Veritas
Das Hobby zum Beruf machen – was für viele eine bloße Floskel bleibt, wird für den Mannheimer Alumnus Simon Blank und seinen Bruder David Wirklichkeit: In ihrem Start-up Vinolin verbinden die beiden Wirtschaftsinformatiker das Wissen aus dem Studium mit ihrer Liebe zu Wein.

20 Weinstände zählt das Heilbronner Weindorf im September 2025, 400 verschiedene Sorten haben die Winzer*innen dort im Angebot. Rot, rosé oder weiß, trocken, halbtrocken oder lieblich – oder am liebsten alkoholfrei? Auch echte Weinliebhaber*innen verlieren auf dem Fest schnell mal den Überblick.
Ihre Rettung: QR-Codes an den einzelnen Ständen, die direkt zu Vinolin führen – einem KI-Berater, der für jeden Geschmack die passende (Wein-)Antwort parat hat. Programmiert haben ihn die Brüder Simon und David Blank, die im Oktober 2024 ihr gleichnamiges Start-up gründen.
„Dass Vinolin nach so kurzer Zeit schon auf einer Großveranstaltung zum Einsatz kommt, hätten wir nicht gedacht“, sagt Simon Blank. Denn das Geschwister-Duo hat den KI-Sommelier vorrangig für Winzer*innen entwickelt, die ihn auf ihren Websites einbinden. Potenzielle Kund*innen können sich von ihm ausführlich beraten lassen: Vinolin gibt Tipps, welches Produkt aus dem jeweiligen Weinsortiment ihren Geschmack trifft oder am besten mit dem geplanten Essen harmoniert.
Initiative VinUM führt zu Idee
Für Wein habe er sich schon immer interessiert, erzählt Blank und ergänzt lachend: „Und ihn natürlich auch gern getrunken.“ In seiner Heimat, der baden-württembergischen Stadt Bad Mergentheim, gebe es viele Anbaugebiete und Weinfeste. Nicht ganz unschuldig an der Gründungsidee sei aber auch die Studierendeninitiative VinUM, in der er während seines Wirtschaftsinformatik-Studiums an der Universität Mannheim aktiv ist. „Bei verschiedenen Treffen und Veranstaltungen habe ich schnell erkannt, dass es der Weinbranche nicht mehr gut geht. Die Verkaufszahlen gehen zurück und regionale Betriebe kämpfen um ihr Überleben“, erinnert sich der 26-Jährige. „So habe ich den Wunsch entwickelt, junge Menschen wieder für das Jahrtausende alte Getränk zu begeistern.“

Konkret wird es, als er Anfang 2024 mit Bruder David, der zu diesem Zeitpunkt seinen Master in Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt macht, im Online-Shop eines Weinguts unterwegs ist: „Dort konnte man Video-Meetings vereinbaren, um sich Tage später von Mitarbeitenden beraten zu lassen. Uns war sofort klar, dass das auch einfacher geht – und da wir uns beide im Studium mit Sprachmodellen auseinandergesetzt haben, entstand schnell die Idee für Vinolin“, berichtet Blank.
Eine Umfrage unter rund 50 Weingütern in Deutschland macht deutlich: Die Idee ist ein Volltreffer. „Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Vinolin einsetzen würden. Denn es ist wirklich ein Problem: Der Online-Handel wird immer wichtiger, doch den meisten Kaufinteressierten fehlt die nötige Expertise“, fasst der Gründer zusammen. Die Tüftelei beginnt – und Ende 2024 geht Vinolin auf den ersten Websites online.
„Für die Weingüter selbst ist es nicht viel Arbeit. Wir haben ein Computerprogramm – einen sogenannten Webcrawler – entwickelt, der die Produktdaten aus den Shops herunterlädt und in die KI einspeist. Vinolin erscheint dann auf den Websites als Chatbot in der Bildschirmecke“, erklärt Blank. Nur ein Jahr nach Gründung des Start-ups nutzen bereits mehr als 20 Online-Shops den KI-Berater, zudem stellen die Brüder zwei Mitarbeiter und einen Werkstudenten von der Universität Mannheim ein.
Beratung in den Supermärkten
An seine eigene Zeit im Barockschloss hat der Alumnus nur gute Erinnerungen: „Die zeitliche und räumliche Flexibilität dank Online-Veranstaltungen ist ein großer Vorteil“, meint er, „sonst wäre die Start-up-Gründung parallel zum Studium sehr schwierig geworden“. Ebenso seien viele der gelernten Inhalte bei der Entwicklung von Vinolin hilfreich, ergänzt Blank.
Pläne für das kommende Jahr haben sie einige: den KI-Berater als Smartphone-App auf den Markt bringen, neue Funktionen wie die Lage der Weinbaugebiete anzeigen lassen und Events der Weingüter bewerben. „Eines unserer Großprojekte ist der Lebensmitteleinzelhandel. Wir möchten Vinolin als Stele in die Weinabteilungen bringen, denn auch dort fehlt es an fachkundigem Personal, das die Kundschaft ausgiebig beraten kann“, erklärt Blank. Und das Heilbronner Weindorf? „Die Chancen stehen gut, dass wir auch 2026 wieder dabei sind.“
Text: Jessica Scholich / April 2026



