Mit Disziplin zum Erfolg
Emile Baurand zählt mit seinen 19 Jahren zu den Top-Nachwuchsspringreitern Deutschlands: 2020 wurde er in den Bundeskader berufen und feierte seitdem bereits mehrere größere Turniererfolge. Seit 2024 studiert er an der Uni Mannheim BWL und pendelt zwischen Schloss und Reitstall.

Fußball, Skifahren, Tennis, Leichtathletik – in seiner Kindheit hat Emile Baurand ganz verschiedene Sportarten ausprobiert, zum Reitsport kam der gebürtige Münchner dann eher durch Zufall: „Im Frankreich-Urlaub bei meinen Großeltern hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, ein Pony zu reiten.“ An dieses sehr gute Gefühl, das er im Alter von zehn Jahren auf dem Pferderücken verspürte, erinnert er sich noch heute. Danach führte eines zum anderen: Baurand wollte immer öfter reiten und entwickelte früh das Gefühl, zusammen mit einem Pferd Großes erreichen zu können. Seine Intuition sollte ihm recht geben: 2020 erfolgte die Berufung in den Bundeskader. Es folgten mehrere erste Plätze im European Youngster Cup U25 (2023 und 2024) und im European Youngster Cup Senioren (2024).
Nach seinem Abitur 2024 stellte sich Baurand die Frage, wie es für ihn weitergehen sollte. Fest stand, dass er sich nicht nur die Tür zum professionellen Reitsport offenlassen, sondern auch eine weitere Option mit einem BWL-Studium schaffen wollte: „Ich bin neben dem Reitsport auch sehr an Wirtschaft und Finanzen interessiert und könnte mir vorstellen, entweder das Springreiten langfristig weiterzumachen oder später in die Industrie zu gehen.“
Mannheim stellte sich hier als optimale Lösung für Baurand heraus, um seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen: „In Mannheim kann ich ein BWL-Studium an einer der renommiertesten Wirtschaftsuniversitäten Europas absolvieren und gleichzeitig internationalen Spitzensport im Bundeskader mit dem langfristigen Ziel betreiben, die Weltspitze zu erreichen. Ich habe hohe Ambitionen, mich in diesen zwei sehr anspruchsvollen Bereichen kontinuierlich weiterzuentwickeln und nach Exzellenz zu streben.“ Das Spitzensport-Stipendium der Uni Mannheim hilft ihm dabei: „Für Sportler*innen ist das ein Riesenvorteil für die Planung und das Management.“

Beziehung auf lange Zeit
Sport und Studium unter einen Hut zu bekommen, erfordert Disziplin: Fünf bis sechs Stunden ist Baurand täglich im Stall. Hinzu kommen eine bis zwei Stunden Eigentraining: Hier stehen Laufen, Radfahren sowie Mobilitäts- und Stretchingübungen auf dem Programm. Die restliche Zeit des Tages ist für das Studium und andere anstehende Termine vorgesehen. „Wichtig ist, dass man voll und ganz bei der Sache ist, die man gerade tut: Wenn man zwei Stunden trainiert, sollte man auch wirklich zwei Stunden trainieren. Wenn man zwei Stunden lernt, sollte man sich in der Zeit ganz auf das Lernen konzentrieren.“ Das erfordere nicht nur viel Disziplin, sondern auch einiges an Planung und Organisation – vor allem, wenn es Richtung Turnier geht. Aktuell arbeitet Baurand mit vier Pferden: dem 14-jährigen Global, dem 11-jährigen Champ und den beiden 7-jährigen Pferden Karaskaria und Jason, die sich noch im Aufbau befinden. Mit mehreren Tieren parallel zu trainieren, sei durchaus üblich im Springreiten, damit die Tiere nicht zu ausgelastet sind, erklärt er.
Was den 19-Jährigen am meisten an seiner Sportart begeistert, ist die Zusammenarbeit mit einem Lebewesen, das genauso unterschiedliche Tagesformen hat wie er selbst: „Sich in das Pferd einfühlen zu können und mit der Zeit zu wissen, was das Pferd spürt und will, macht den Sport für mich besonders. Jeder Tag ist anders, jeder Parcours, jede Prüfung ist anders.“
Die Beziehung, die Reiter*in und Pferd dabei zueinander aufbauen, ist auf eine sehr lange Zeit ausgelegt: Im Gegensatz zu anderen Sportarten wie Fußball gibt es beim Springreiten keine natürliche Altersobergrenze für die Sportler*innen. Springreiten kann bis ins hohe Alter auf Weltklasseniveau ausgeübt werden, wie der BWL-Student erklärt: „Gute Ergebnisse brauchen Zeit und bauen sich über Jahre auf – vor allem im Reitsport. Wenn man Richtung Weltmeisterschaft oder Olympia schaut, sind das Partnerschaften, die bereits viele Jahre bestehen und in denen sich Reiter*in und Pferd fast auswendig kennen.“
Traum von Olympia
Und was sind Baurands nächste Ziele? Der Traum von der Olympia-Teilnahme sei schon immer dagewesen, erzählt er. Dies hänge aber von vielen unterschiedlichen Faktoren ab: „Die eigene Form muss stimmen und auch die Form der Pferde, die Ergebnisse in den Monaten vor Olympia und natürlich hängt das auch von den Sponsoren ab – aber die Ambition ist auf jeden Fall da.“ Ein weiteres Hauptziel liegt für Baurand aber auch auf dem Abschluss seines Studiums: „Der Bachelor dauert drei Jahre. Ich hoffe, dass ich mir in dieser Zeit ganz viele Türen geöffnet und offengelassen habe, sodass ich am Ende die bestmögliche Entscheidung für meine Zukunft treffen kann.“
Text: Tamara Gminsky / August 2026



