Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Land fördert Erforschung der „Gesellschaft im Digitalen Wandel“ mit 2,1 Millionen Euro unter der Federführung der Universität Mannheim

Den Einfluss der Digitalisierung auf den Einzelnen und die Gesellschaft soll ein neuer Forschungs­verbund interdisziplinär erforschen. Zu dem Verbund gehören acht universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen aus ganz Baden-Württemberg.

Pressemitteilung vom 9. Mai 2019
Druckversion (PDF)

 Bei der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft stehen derzeit technische Fragen wie autonomes Fahren, Verwendung von Sensoren in Geräten des täglichen Lebens oder der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Vordergrund. Doch Technik allein ist noch kein Schlüssel für eine erfolgreiche Digitalisierung. Damit sie gelingt, muss man den Blick auch auf die Auswirkungen richten, die solche Neuerungen auf den Einzelnen sowie auf die Gesellschaft insgesamt haben. Das soll das neue wissenschaft­liche Konsortium leisten, in dem sich unter der Leitung der Universität Mannheim das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Universität Tübingen, das Fraunhofer-Institut für System- und Innovations­forschung (ISI), das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) sowie die Mannheimer Institute ZEW – Leibniz Zentrum für Europäische Wirtschafts­forschung, GESIS – Leibniz-Institut für Sozial­wissenschaften und das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) zusammengeschlossen haben. Das Landes­wissenschafts­ministerium fördert das Projekt „Gesellschaft im Digitalen Wandel“ mit mehr als 2,1 Millionen Euro für die Dauer von drei Jahren.

 

„Mit dem Verbund um die Universität Mannheim schließen sich exzellente Forschungs­institutionen in Baden-Württemberg zusammen, um wissenschaft­lich fundiertes Orientierungs­wissen für uns alle zu genieren. Der Verbund zeichnet sich durch ein sehr breites Spektrum an beteiligten Fach­disziplinen aus – genauso, wie auch die Digitalisierung viele Bereiche unseres Lebens verändert“, sagte Wissenschafts­ministerin Theresia Bauer.

„Wir freuen uns, dass wir unsere Stärken auf dem Gebiet der Daten­wissenschaften und der empirischen Sozial­wissenschaften mit der Expertise unserer universitären und außeruniversitären Partner auf höchstem wissenschaft­lichem Niveau bündeln können. Eine Disziplin reicht nicht, um diesen Themenkomplex zu erfassen“, erklärt der Rektor der Universität Mannheim, Professor Thomas Puhl.

Der Forschungs­verbund will den Einfluss der Digitalisierung auf Mensch und Gesellschaft identifizieren und interdisziplinär analysieren, um daraus Gestaltungs­optionen zu entwickeln. „Viele Anwendungen und digitale Technologien, die wir heute schon kennen, weisen eine hohe Ambivalenz auf“, erläutert Professor Thomas Fetzer, Inhaber des Lehr­stuhls für Öffentliches Recht, Regulierungs­recht und Steuerrecht an der Universität Mannheim und Sprecher des Konsortiums. Als Beispiel nennt Fetzer die Möglichkeiten zur digitalen Partizipation: „Einerseits schaffen das Internet und digitale Technologien neue Möglichkeiten der politischen Mitsprache. Zugleich können aber politische Debatten von einigen Wenigen gekapert werden. Phänomene wie Fake News und Shit Storms verschärfen die politischen Auseinandersetzungen“.

Auch auf die Autonomie eines jeden Einzelnen seien positive wie negative Auswirkungen denkbar: Einerseits verbesserten digitale Technologien die Handlungs- und Entscheidungs­möglichkeiten des Menschen, indem beispielsweise Vergleichsplattformen im Internet Informationen transparenter als je zuvor machen könnten. Zugleich sei diese Autonomie jedoch an anderer Stelle in Gefahr, weil die Menschen gezwungen sind, sich auf Techniken zu verlassen, die sie oft nicht verstehen.

Technische Neuerungen haben auch in der Vergangenheit für Verunsicherung gesorgt – ob beim Zug, Auto oder Fernsehen. Neu ist die Dimension des Wandels. Digitale Technologien durchdringen heute das gesamte Leben. „Wir wollen Entscheidungs­grundlagen für Politik und Gesellschaft liefern, damit die unbestreitbaren Chancen der Digitalisierung ergriffen, aber die möglichen Gefahren und Nachteile so weit wie möglich minimiert werden können“, fasst Fetzer zusammen.

Autonomie, Partizipation und Wissen – die Themen sind die drei Kernelemente des neuen Verbund­projekts. Diese sollen standort­übergreifend und interdisziplinär bearbeitet werden. Dafür bündelt der Forschungs­verbund baden-württembergische Expertise aus universitärer und außeruniversitärer Forschung der Geistes-, Sozial-, Rechts-, Wirtschafts-, Medien- und Kommunikations­wissenschaften, der Ethik und der Informatik sowie der interdisziplinären Technik­bewertung.

Um auch mit Bürgerinnen und Bürgern außerhalb der Wissenschaft in den Dialog zu treten sind Ausstellungen, Diskussions­veranstaltungen und Vortragsreihen angedacht. Deshalb ist auch das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) bei dem Projekt mit von der Partie. So soll „Gesellschaft im digitalen Wandel“ einen Beitrag nicht nur zum wissenschaft­lichen sondern auch zum öffentlichen Diskurs leisten.

Kontakt:

Prof. Dr. Thomas Fetzer
Lehr­stuhl für Öffentliches Recht, Regulierungs­recht und Steuerrecht
Universität Mannheim
Tel.: +49 621 181-1438
E-Mail: fetzer(at)jura.uni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Abteilung Kommunikation
Universität Mannheim
Telefon: +49 621 181-1266
E-Mail: kaul(at)uni-mannheim.de