Nachruf auf Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matz

Der Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte, das Historische Institut und die Universität Mannheim trauern um Herrn Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matz, der am 4. November 2020 völlig unerwartet und viel zu früh verstorben ist.

Pressemitteilung vom 30. November 2020
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Im schleswig-holsteinischen Rendsburg am 23. April 1949 geboren, schloss er 1968 seine Schulbildung am Markgrafen-Gymnasium Karlsruhe-Durlach mit dem Abitur ab und studierte im Anschluss an der jungen Universität Mannheim Geschichte und Germanistik. Bereits vor dem Staats­examen im Wintersemester 1973 war er als wissenschaft­liche Hilfskraft am Lehr­stuhl für Mittelalterliche Geschichte tätig. Nach Abschluss seines Studiums begann er 1974 seine berufliche Laufbahn jedoch am Lehr­stuhl von Professor Dr. Manfred Schlenke, dem damaligen Ordinarius für Neuere Geschichte, als wissenschaft­licher Mitarbeiter. Damals konnte niemand ahnen, dass er an diesem Lehr­stuhl – später umbenannt in Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte – vierzig Jahre lang lehren und forschen würde: als wissenschaft­licher Assistent, als Akademischer Rat und außerplanmäßiger Professor.

Seine 1980 veröffentlichte Dissertation „Pauperismus und Bevölkerung. Die gesetzlichen Ehebeschränkungen in den süddeutschen Staaten während des 19. Jahrhunderts“ zählt zu den sozialgeschichtlichen Pionier­studien und Standard­werken der süddeutschen Sozialgeschichtsschreibung. Wie weitgesteckt seine historischen Interessen waren, zeigt seine 1989 publizierte Habilitations­schrift über den liberalen Politiker „Reinhold Maier (1889–1971). Eine politische Biographie“, die ebenso wie die Dissertation große Resonanz und höchste Anerkennung fand.

Eine noch breitere Öffentlichkeit erreichten seine ab 1980 publizierten „Regententabellen zur Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart“, mit deren Zusammenstellung er – ganz traditionell mit Karteikärtchen und -kasten arbeitend – bereits als Gymnasiast begonnen hatte. Inzwischen liegen sie in 6. verbesserter deutscher und in 3. ungarischer Auflage vor. Ähnlich erfolgreich sind auch seine weiteren Nachschlagewerke: Die „Europa-Chronik. Daten europäischer Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart“ (1999), „Das Jahrtausend. Eine Chronik 1000–1999“ (1999) und „Die 1000 wichtigsten Daten der Weltgeschichte“ (2002), die ins Chinesische übersetzt wurden. All diese Publikationen bezeugen sein enzyklopädisches Wissen und seinen ebenso kontinuierlichen wie akribischen Arbeits­eifer. Sein Herzblut steckte er indes in andere Publikationen, allen voran in seine Studie „Länder­neugliederung. Zur Genese einer deutschen Obsession seit dem Ausgang des Alten Reiches“ (1997) sowie in seine „Kleine Geschichte des Landes Baden-Württemberg“ (2010). In weiteren Aufsätzen und Beiträgen zu Sammelwerken thematisierte er immer wieder die Geschichte des deutschen Südwestens; so war es nur konsequent, dass er 1994 als ordentliches Mitglied in die „Kommission für geschichtliche Landes­kunde in Baden-Württemberg“ berufen wurde.

Aber erst in seinen zahllosen Vorlesungen, Seminaren und Übungen entfaltete Klaus-Jürgen Matz sein stupendes historisches Wissen. Neben den bereits genannten Schwerpunkten widmete er sich der deutschen und britischen Sozialgeschichte des Industriezeitalters, der frühen bundes­republikanischen Geschichte, der Geschichte der USA sowie nicht zuletzt der Geschichte der europäischen Expansion. Gerade bei diesem Thema konnte er auf die Erfahrungen und Er­kenntnisse zurückgreifen, die er bei seinen zahlreichen Reisen gewonnen hatte. Denn er reiste nicht, um Urlaub zu machen, sondern um Land und Leute sowie deren Geschichte studieren zu können. Gerade seine Reisen mit dem Fahrrad – so fuhr er lange vor der deutschen Vereinigung mit dem Rad durch die DDR oder entlang der Maas von ihrer Quelle bis zur Mündung – ermöglichten ihm detaillierte Einsichten. Mehrtägige Fahrrad-Exkursionen führten ihn und seine Studentinnen und Studenten immer wieder nach Frankreich.

In seiner vierzigjährigen Dienstzeit unterrichtete er Generationen von Studentinnen und Studenten, betreute zahllose Examensarbeiten und manche Dissertation. Als Vertreter des Mittelbaus gehörte er über Jahre hinweg dem Fakultäts­rat an und wirkte bei der Entwicklung neuer Studien­pläne und Examensordnungen ebenso mit wie bei der Berufung neuer Professorinnen und Professoren.

Ob Studierende oder Kolleginnen und Kollegen, alle schätzten nicht nur seine große fach­liche Kompetenz und seine stets an der Sache orientierten Beiträge, sondern auch sein unprätentiöses Auftreten. Er war ein stets ruhiger und bedachter Kollege, der sich als Person niemals in den Vordergrund drängte.

Er, der in vierzig Jahren keinen einzigen Tag wegen Krankheit fehlte, erlag nun binnen wenigen Wochen einer heimtückischen Krankheit. Der Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte, das Historische Institut, die Philosophische Fakultät sowie die gesamte Universität Mannheim werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Kontakt:
Dr. Maartje Koschorreck
Stellvertretende Pressesprecherin
Universität Mannheim
Tel. +49 621–1080
E-Mail: koschorreck uni-mannheim.de