Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Universität Mannheim erhält einen hohen EU-Zuschlag für wegweisende Energie­projekte

Die Europäische Union fördert ein millionenschweres Versuchs­projekt für modernes Energie­management in den drei europäischen Städten Poznan (Polen), Segrate (Italien) und Gent (Belgien). Sonja Klingert vom Lehr­stuhl für Wirtschafts­informatik II an der Universität Mannheim koordiniert die Pilotaktivitäten des internationalen Vorhabens, an dem auch die Universität Passau sowie weitere Partner-Unis aus Polen und Italien beteiligt sind.

Pressemitteilung vom 13. Oktober 2020
Druckversion (PDF)

Die Stromversorgung in Europa wird Jahr für Jahr „grüner“ und der Anteil der erneuerbaren Energien an Stromverbrauch und Wärmeversorgung wächst beständig. Vielerorts fehlt es jedoch an der nötigen technischen Infrastruktur, um Wind- und Sonnenenergie möglichst effizient zu nutzen. Ein internationales Team aus Universitäten und Firmen hat jetzt einen hohen EU-Zuschlag bekommen, um zu erforschen, wie man die Nutzung von regenerativen Energien in den Alltag der Menschen integrieren kann. Konkret geht es um einen Zuschlag für das Projekt RENergetic im Rahmen des EU-Förder­programms Horizon 2020. Die Gesamtfördersumme beträgt sechs Millionen Euro für eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren, an die Universität Mannheim fließen davon 826.000 Euro. Das Projekt startet am 1. November 2020.

Autarke Energieinseln: Gent, Segrate und Poznan
Innerhalb der Projektlaufzeit sollen drei innovative Einzel­projekte zur Nutzung von regenerativen Energien an drei europäischen Orten – so genannten Energy Islands – verwirklicht werden. Das Ziel: 100% Energieautarkie. Der Weg dorthin führt über mehr Energieeffizienz und zeitliche Anpassung an vorhandene erneuerbare Ressourcen. Im belgischen Gent soll dies in einem städtischen Immobilien­projekt verwirklicht werden, den so genannten New Docs. Der hafennahe Stadtteil soll komplett energieautark ausgestaltet werden, damit die dort lebenden und arbeitenden Menschen die Energie, die sie verbrauchen, künftig zu 100 Prozent regenerativ produzieren. Weiter östlich, im polnischen Poznan, sollen in Zukunft Unigebäude und Studierenden­wohnheime mit der Abwärme des Rechenzentrums der Universität geheizt werden. Und in einem Krankenhaus im italienischen Segrate setzen die Forschenden auf einen elektrischen Mobilitätsservice für Patienten, Angestellte und die städtische Bevölkerung – gespeist aus erneuerbaren Energien.

„Unser Ziel ist es, den Menschen einen Großteil der Kontrolle über ihren Energie- und Stromverbrauch wieder in die Hand zu geben, in der Hoffnung, damit die Energiewende zu beschleunigen. Wie das gehen kann, zeigen wir in unseren Pilot­projekten“, sagt Projektleiterin Sonja Klingert.

Mehr Akzeptanz in der Bevölkerung mithilfe von Konsumentenpsychologie
In den drei Einzel­projekten stehen nicht nur die technische Infrastruktur und ausgeklügelte Apps im Mittelpunkt. Ein wichtiger Aspekt ist zudem, in der Bevölkerung für Akzeptanz für die neuen Maßnahmen zu werben. Daher ist an dem Projekt auch ein Team um Dr. Florian Kutzner vom Lehr­stuhl für Konsumentenpsychologie beteiligt. „Die beste Technik nützt nichts, wenn sie von den Menschen nicht angewendet wird“, davon ist der Mannheimer Psychologe überzeugt. „Idealerweise sollen am Ende die Nutzenden in den drei Energieinseln automatisch zu ökologischen Maßnahmen im Alltag greifen und beispielsweise verstehen, dass man die Geschirrspülmaschine nicht unbedingt in der Nacht laufen lassen muss, wenn am nächsten Tag die Sonne scheint“, so Kutzner.

Der hohe EU-Zuschlag fußt auf einem bereits abgeschlossenen Projekt desselben Teams um Klingert und Kutzner:  Im vergangenen Jahr ging die mobile App „Electrific“ an den Start, die E-Autos den Weg zum grünen „Tanken“ weist. Auch damals forschte Klingert gemeinsam mit den Psychologinnen und Psychologen vom Lehr­stuhl für Konsumentenpsychologie an Möglichkeiten, die Menschen zum energieeffizienten Tanken zu motivieren. Auf den Er­kenntnissen, die die Forschenden damals gewonnen haben, wollen sie bei dem neuen Vorhaben nun aufbauen.

Weitere Links: https://www.uni-mannheim.de/newsroom/presse/pressemitteilungen/2019/juli/electrific/

Ein Foto von Sonja Klingert kann hier her­untergeladen werden.

Kontakt:
Sonja Klingert
Lehr­stuhl für Wirtschafts­informatik II
Tel.: +49 621 181-3591
E-Mail:klingert(at)uni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Universität Mannheim
Tel.: +49 621 181-1266
E-Mail: kaul(at)uni-mannheim.de