Zur Zeitumstellung: Kulturgeschichte der schlaflosen Nächte

Der Mannheimer Historiker Prof. Dr. Hiram Kümper widmet sich in seiner Forschung dem Schlaf und dem Zustand des Wachseins – und zeigt, wie beide über die Jahrhunderte kulturell unterschiedlich bewertet wurden.

Pressemitteilung vom 29. Oktober 2021
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Am Sonntag wird die Uhr umgestellt – damit geraten wieder jede Menge Biorhythmen durcheinander. Der Mannheimer Historiker Hiram Kümper forscht über die kulturelle Bewertung von Schlaflosigkeit. Schließlich kann Schlaflosigkeit nie ohne das gedacht werden, was dadurch abwesend ist – den Schlaf.

Kümper zeigt in seiner Forschung, dass Schlaflosigkeit ambivalent, aber nie ohne Misstrauen über die Jahrhunderte bewertet wurde. Lange galt das Wachen als Mittel der Askese und der tieferen Einsichten. Mönche im Mittelalter waren überzeugt: Im Schlaf, wo der menschliche Wille nicht mehr die Oberhand hat, kann viel passieren – Gutes und Schlechtes, Göttliches und kreative Gedanken, aber auch Sünde und Tiefvergrabenes, was besser unter der Oberfläche geblieben wäre. Während der Romantik beschäftigte der Kult um die schlaflosen Nächte auch die Genies der Kunst und Universalgelehr­ten.

Zum Problem wurde Schlaflosigkeit erst in der Aufklärung, als die Bedeutung des Schlafes für die Gesundheit, für die „Erhaltung der Lebenskräfte“, wie man damals sagte, breiten Raum in Medizin und der keimenden Lehre vom gesunden Leben einnahm. Ab dann blühte auch der Markt für Schlafmittel – und es begann die lange Geschichte ihres Missbrauches.

Kümper erforscht die Geschichte der Schlaflosigkeit nicht um ihrer selbst Willen, sondern als Indikator für wandelnde Auffassungen von menschlicher Rationalität und Kreativität, von Gesundheit und Körperwissen – und nicht zuletzt von der Gesellschaft, die dieses Wissen produziert und weiterträgt.

Das Buch zum Thema ist noch in Arbeit. Prof. Kümper steht aber gerne für Interviewanfragen bereit.

Kontakt:
Prof. Dr. Hiram Kümper
Carl-Theodor-Professur für Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit
Tel: 0621 181–1330
E-Mail: hiram.kuemper uni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Tel: +49 621 181–1266
E-Mail: kaul uni-mannheim.de