ERC-Grant: Hohe EU-Förderung für den Mannheimer Psychologen Jochen Gebauer

Rund 2 Millionen Euro an Forschungs­geldern erhält der Mannheimer Psychologe Prof. Dr. Jochen Gebauer in Form eines Consolidator Grants des Europäischen Forschungs­rates (ERC). Im Zentrum seiner Forschung steht folgende Frage: Warum bewerten Menschen sich selbst und andere primär anhand der zwei Eigenschafts­dimensionen Durchsetzungs­fähigkeit und Gutmütigkeit? Anders gesagt, welchen evolutionären Vorteil haben Menschen davon, sich und andere vorrangig anhand dieser so genannten „Big Two“ zu bewerten?

Pressemitteilung vom 23. März 2022
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Um uns selbst und andere Menschen einzuschätzen, verwenden wir in der Regel zwei Eigenschafts­dimensionen, die in der Psychologie als Agency (im Deutschen oft: „Durchsetzungs­fähigkeit“) und Communion (im Deutschen oft: „Gutmütigkeit“) bekannt sind. In der Psychologie sind Agency und Communion so bedeutsam, dass sie oftmals nur als die „Big Two“ bezeichnet werden.

Warum bestimmen Agency und Communion das Denken über uns selbst und andere?
„Es kann kein Zufall sein, dass uns Menschen die „Big Two“ so unglaublich wichtig sind, wenn wir über uns selbst und über andere Menschen nachdenken. Wir müssen einen evolutionären Vorteil davon haben, primär auf genau diese beiden Eigenschafts­dimensionen zu achten“, erklärt der Mannheimer Psychologe Jochen Gebauer. Doch was ist dieser Vorteil? „Was auch immer er ist, von einem ist auszugehen: Der evolutionäre Vorteil muss gewichtig sein, sonst wären Agency und Communion im menschlichen Denken schlichtweg nicht so zentral“, so Gebauer.

Internationales und interdisziplinäres Team soll die „Big Two“ entschlüsseln
Um diesen Fragen nachzugehen hat der Europäische Forschungs­rat Jochen Gebauer nun mit einem seiner hoch kompetitiven und prestigeträchtigen Consolidator Grants ausgestattet. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universitäten Kopenhagen (Dänemark) und Exeter (Großbritannien) möchte Gebauer in den kommenden fünf Jahren eine neue Theorie zu den „Big Two“ entwickeln und testen. Das interdisziplinäre Team plant dafür unter anderem eigens entwickelte Laborexperimente, umfangreiche Langzeitbefragungen und die Zusammenführung und Auswertung riesiger Datenmengen aus offiziellen Statistiken und anderen Quellen.

Der Rektor der Universität Mannheim, Professor Thomas Puhl, gratulierte Jochen Gebauer zur Bewilligung seines Forschungs­antrags: „Wir freuen uns sehr über die ERC-Förderung für einen weiteren Wissenschaft­ler unserer Universität. Im Bereich Sozialpsychologie und Soziologie, dem das Projekt von Professor Gebauer zugeordnet ist, wurden in dieser Runde europaweit lediglich 12 Consolidator Grants vergeben. Der Preis bestätigt den hervorragenden Ruf, den die Universität Mannheim auf dem Gebiet der Sozial­wissenschaften international genießt.“

Der Europäische Forschungs­rat ist nicht die erste Wissenschafts­institution, die Jochen Gebauer mit seinen Forschungs­ideen überzeugen konnte. Als der 40-Jährige 2014 an die Universität Mannheim kam, genauer gesagt an das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES), hatte er bereits den Förderbescheid für eine Emmy Noether-Nachwuchs­gruppe der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) im Gepäck. Gebauers Team erforschte am MZES seitdem, welche Rolle das eigene Selbstbild spielt, um menschliches Verhalten zu erklären, insbesondere konformistisches Verhalten. Im Jahr 2017 warb Gebauer dann eine ebenfalls von der DFG finanz­ierte Heisenberg-Professur für Kulturvergleichende Sozial- und Persönlichkeits­psychologie ein. Seine Forschungs­vorhaben im Rahmen des neuen Consolidator Grants wird er weiterhin am MZES koordinieren. „Die Universität Mannheim und das MZES bieten genau das richtige Umfeld für meine Forschung. Es passt hier für mich und daher freue ich mich auf viele weitere spannende und fruchtbare Mannheimer Jahre“, so Gebauer.

Über den European Research Council (ERC)
Die Förderung von grundlagen­orientierter Pionierforschung ist einer der Schwerpunkte der Europäischen Union. Dafür wurde der Europäische Forschungs­rat im Jahr 2007 geschaffen. ERC Consolidator Grants unterstützen exzellente Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler darin, ihre international herausragende Position als Forschende weiter zu konsolidieren. Grundlage für die Entscheidung des ERC bei der Vergabe der hoch dotierten Grants ist die wissenschaft­liche Exzellenz der Beantragenden sowie die potenziell bahnbrechende Forschungs­frage des Projektantrags. In dieser Runde wurden insgesamt 632 Millionen Euro an 313 Top-Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler aus 24 Ländern ausgeschüttet. Die Bewilligungs­rate lag bei nur knapp 12 Prozent der Anträge.

Insgesamt zehn ERC Grants für die Universität Mannheim
Seit Gründung des Europäischen Forschungs­rats wurden zehn Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler der Universität Mannheim mit einem ERC Grant ausgezeichnet, davon fünf mit einem ERC Starting Grant und fünf mit einem ERC Consolidator Grant. Am MZES ist mit Prof. Dr. Irena Kogans Forschungs­vorhaben „Partnerschafts­bildung von Geflüchteten in Deutschland“ (PARFORM) derzeit noch ein weiterer ERC Grant angesiedelt.

Zur Pressemitteilung des ERC: https://erc.europa.eu/news/erc-2021-consolidator-grants-results
Ein Pressefoto finden Sie unter: https://www.uni-mannheim.de/newsroom/presse/pressefotos/

Kontakt:
Prof. Dr. Jochen Gebauer
Heisenberg-Professur für Kulturvergleichende Sozial- und Persönlichkeits­psychologie,
MZES-Projektleiter
Universität Mannheim
Telefon: +49 621 181–2826
E-Mail: Jochen.Gebauer mzes.uni-mannheim.de
https://www.mzes.uni-mannheim.de/d7/en/profiles/jochen-gebauer

Nikolaus Hollermeier
Presse- und Öffentlichkeits­arbeit
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES)
Universität Mannheim
Telefon: +49 621 181–2839
E-Mail: kommunikation mzes.uni-mannheim.de
www.mzes.uni-mannheim.de