Porträt von Virgil Baclanoc. Er steht vor einer Wand, hat schwarze kurze Haare und trägt ein dunkelblaues Jackett.

„Du kannst nicht wissen, was für dich passt, wenn du es nicht ausprobierst“

Virgil Baclanov kommt ursprünglich aus Rumänien. Seit 2022 studiert er an der Uni Mannheim Wirtschafts­informatik. In seiner myUniMA story erzählt der 22-jährige, was er am Studium in Deutschland schätzt und was er anderen internationalen Studierenden raten würde.

Wie kam es dazu, dass du dich für ein Studium an der Uni in Mannheim entschieden hast?

Ich habe schon in der sechsten Klasse angefangen, Deutsch zu lernen. Eine Reise nach München – meine erste Auslands­reise – hat mich dann total beeindruckt. Seitdem hatte ich ein sehr positives Bild von Deutschland und wollte hierher zum Studieren kommen. In den Rankings ist Mannheim im Fach Wirtschaft die Nummer 1. Und dann habe ich gedacht: Los geht's: Das ist jetzt mein Ziel. Und glücklicherweise bin ich angenommen worden. Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung.

Wie gefällt dir dein Studium?

Es ist viel anstrengender als gedacht. Ich studiere Wirtschafts­informatik und die Informatikmodule sind sehr anspruchsvoll. Meine schlechteste Note hatte ich am Anfang in Informatik. Bis ich verstanden hatte, wie alle Dinge hier funktionieren, hat es etwas gedauert. Aber glücklicherweise habe ich sehr gute Freunde und wir lernen viel zusammen. Außerdem sind die Leute viel aufgeschlossener als ich gedacht hatte. Wir sind wie eine große Familie und das macht das Studium deutlich einfacher. Das finde ich richtig schön.

Du kommst ursprünglich aus Rumänien. Welche Unter­schiede zu Deutschland fallen dir im Studium und im Alltag auf?

Es sind einige, aber besonders groß ist der Unter­schied, wie Fragen angesehen werden. In der Schule in Rumänien war es gefühlsmäßig eher so, dass Fragen nicht so gern gesehen waren. In Deutschland dagegen habe ich das Gefühl, es ist erwünscht, Fragen zu stellen. An der Uni werden wir dazu aufgefordert und das finde ich richtig gut. Darüber hinaus ist es hier auch anders, wie Sachen angegangen werden und wie man lernt. Die Arbeits­ethik hier ist sehr hoch, was mir gut gefällt, weil ich selbst eine ehrgeizige Person bin.

Gibt es auch Sachen, die du vermisst?

Ich vermisse hauptsächlich meine Familie und ein paar Freunde. Generell denke ich aber, ich habe mich hier richtig gut integriert. 90 Prozent meiner Freunde hier sind entweder Deutsche oder Internationals, und ich bin jeden Tag dankbar und glücklich, dass ich hier bin. Neben der Zeit, die ich mit ihnen verbringe, habe ich mich auch durch meine Arbeit und mein studentisches Engagement gut integriert.

Was arbeitest du?

Ich habe einen Werkstudentenjob bei Mercedes an der Schnittstelle zwischen BWL und Informatik. Die Arbeit hat viel mit der Optimierung digitaler Prozesse zu tun. Das macht mir richtig viel Spaß. Davor habe ich ein Praktikum beim Beratungs­unter­nehmen Deloitte gemacht. Mein Ziel ist es, mit diesen Praktika zu schauen, was für mich beruflich am besten passt. Eines meiner Mottos ist:  Du kannst nicht wissen, was für dich passt, wenn du es nicht ausprobierst. 

Du engagierst dich auch bei studentischen Initiativen. Kannst du uns darüber etwas erzählen?

Seit rund einem Jahr bin ich aktives Mitglied bei der UNICEF Hochschul­gruppe. Ich habe früher als Kinderanimateur Erfahrungen bei der Arbeit mit Kindern gesammelt und wollte auch in Mannheim gern etwas in dem Bereich machen. Gerade im Moment, wo es global so viele Kriege gibt und viele Kinder dar­unter leiden, will ich einen Beitrag leisten. Ich engagiere mich seit zwei Jahren auch bei STADS. Das ist die größte Data Science Initiative an der Uni. Wir bieten Workshops mit Unter­nehmen an und halten Vorträge über Data Science und ihre Anwendungs­bereiche.

Was machst du sonst in deiner Freizeit? 

Ich mache viel Sport und gehe in letzter Zeit besonders gern laufen. Das habe ich nach meinem Auslands­semester für mich entdeckt. Ich kann so viel klarer denken danach. Ansonsten gehe ich gern mit Freunden essen oder auch mal ein Bierchen trinken.

Wo hast du dein Auslands­semester gemacht?

Ich war an der Nova Universität in Lissabon. Ich wollte etwas Exotisches ausprobieren, außerdem ist das eine ziemlich gut angesehene Uni. Daher habe ich gedacht: Das ist eine Win-win-Situation, ich mache das. Es war ein sehr cooles Auslands­semester. Ich habe viele Leute kennengelernt, viel gelernt und bin auch viel gereist.

Hast du schon Pläne für die Zeit nach dem Studium?

Ich möchte auf jeden Fall in Deutschland bleiben, zumindest mittelfristig, weil ich das Leben hier sehr genieße. Auch ein Master­studium möchte ich auf jeden Fall noch absolvieren. Aber erstmal möchte ich ein Gap-Semester machen, einfach schauen, ein bisschen arbeiten, und dann mit dem Master­studium hier in Mannheim oder anderswo in Deutschland beginnen.

Hast du Tipps für andere internationale Studierende, die fürs Studium nach Mannheim ziehen? 

Man sollte auf jeden Fall versuchen, mit der lokalen Gemeinschaft viel zu interagieren. Wenn man die deutsche Sprache nicht beherrscht, ist es sinnvoll, sie zu lernen, damit man besser in Kontakt kommen kann. Man sollte sich deutsche Freunde suchen und aus der eigenen Bubble herausrauskommen. Ich bin meinen Freunden sehr dankbar, die mich teilweise seit dem ersten Semester unter­stützt haben. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Außerdem ist es gut, sich in Initiativen zu engagieren. Das ist eine sehr gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Und der dritte Ratschlag wäre: auch wenn das Studium ein bisschen anstrengender ist, versuchen, weiter zu pushen. An der Uni Mannheim ist vieles ein bisschen anstrengender als anderswo. Aber eines Tages wird es sich lohnen, dass man so durchgezogen hat.

Interview: Emma-Lena Seester I Februar 2026