Ich habe in Costa Rica eine Humboldtschule besucht und lerne schon seit dem Kindergarten Deutsch. Das war schon ein bisschen verrückt: Ich habe auf Deutsch costa-ricanische Flüsse und Berge im Erdkundeunterricht gelernt und in Mathematik kannte ich eher den deutschen Begriff für Geodreieck als den spanischen. Nach dem costa-ricanischen Abschluss und dem deutschen Abitur habe ich mir dann gedacht, dass es vermutlich ein sprachlicher Schock für mich wäre, an einer Universität in Costa Rica zu studieren. Trotzdem habe ich es versucht und angefangen, Politikwissenschaften in Costa Rica zu studieren bis ich die Zulassung aus Mannheim bekam und ich mich entschied, nach Deutschland zu gehen.
Einerseits sind natürlich Rankings wichtig. Aber andererseits ist die Kombination von VWL mit dem Beifach Politikwissenschaften hier möglich, was mich sehr interessiert hat. Und ich finde Mannheim gut, weil die Stadt genau die richtige Größe hat, nicht zu teuer und sehr international ist, genau wie die Uni Mannheim selbst. Hier haben Internationals viel Kontakt untereinander und können sich dadurch gut eingewöhnen, das hat mich auch überzeugt.
Wichtig ist mir, dass ich in meinem VWL-Studium eine sehr große Flexibilität habe und meine Kurse größtenteils selbst zusammenstellen kann, wodurch mein Studium sehr vielfältig ist. Außerdem besuchen meine Kurse nicht nur Studierende aus meinem Studiengang, sondern ich lerne auch BWLer, BaKuWi-Studierende oder Masterstudierende kennen. Ich finde, das bereitet gut auf den Arbeitsalltag vor, denn dort hat man ja auch mit Leuten aus anderen Abteilungen oder Fachrichtungen zu tun.
Die Freundlichkeit der Menschen. Ich war vorher schon in Aachen und München und da waren auch alle nett. Aber als ich in Mannheim am Bahnhof angekommen bin, waren da direkt Leute, die mir mit meinem Koffer helfen wollten und mich nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch angesprochen haben. Und auch in meinem Wohnheim haben alle gesagt: „Wenn du Hilfe brauchst, wir sind hier sind.“ Insgesamt fühle ich mich in Mannheim sehr wohl und möchte nicht, dass das Studium schon nach sechs Semestern endet! Ich will es so lange wie möglich genießen, neue Erfahrungen machen und Menschen kennenlernen. Viele haben diese Eile, wollen schnell durchkommen – ich nicht.
Seit Beginn meines Studiums bin ich in der UNICEF-Hochschulgruppe aktiv und seit diesem Jahr leite ich zum ersten Mal den Vorstand. Ich würde gerne später bei UNCIEF oder einer anderen internationalen Organisation arbeiten. Daher, und aufgrund meiner Erfahrungen in Deutschland und Costa Rica, interessiere ich mich neben VWL sehr für Politikwissenschaften, besonders für internationale Beziehungen.
Außerdem kann man in Deutschland und speziell hier in Mannheim sehr viel im Freien unternehmen. Einfach in die S-Bahn einsteigen und die Umgebung erkunden. Ich fotografiere gerne. Abends gehe ich häufig zum Neckar, spiele dort Basketball und gucke dabei den Sonnenuntergang an. Dort habe ich auch Freunde gefunden. Vor Corona war ich außerdem häufiger im Fitnessgym in D2 und im 55 CrossGym. Sport ist ein wichtiger Ausgleich für mich.
Ich bin dankbar, gesund zu sein, aber auch mehr alleine, da viele meiner Freunde wieder zu Hause leben. Dadurch telefoniere ich häufiger mit Familie und Freunden. Ich habe mich aber bewusst entschieden, hier in Mannheim zu bleiben. Im letzten Jahr war ich während der Klausurenphase längere Zeit zu Hause und musste durch die Zeitverschiebung meine Klausuren morgens um 3 Uhr schreiben. Zwei Wochen vorher ging ich mittags ins Bett gehen und stand abends auf, um mich umzugewöhnen. Dann habe ich nach dem Motto der VWLer meine Opportunitätskosten abgewogen: Kein Leben, Nachteule sein? Oder alleine in Mannheim, aber Licht haben während des Tages?
Wenn man wirklich an der Uni Mannheim studieren möchte, dann klappt das auch: Für Finanzen, Sprache und alle anderen wichtigen Dinge gibt es immer Unterstützung und einen Weg! Das sollte man meiner Meinung nach immer im Kopf behalten: „Jeder kann es schaffen, man muss sich nur trauen.“ Und wenn man dann hier ist, sollte man sich in einer Hochschulgruppe oder Initiative engagieren. Dort lernt man neue Leute kennen und sich zu integrieren. Und natürlich: Wer will nicht in einem Schloss lernen? Manchmal sitze ich in der Bib und denke: Ich bin in einem Barockschloss – krass!
Text: Luisa Gebhardt / März 2021