„Ein Auslands­studium ist für alle möglich, man muss sich nur trauen“

Santiago Alvarado Esquivel kommt aus Costa Rica und studiert im vierten Bachelor­semester VWL. Für die Uni Mannheim entschied er sich, da er in seinem VWL-Studium auch viele Kurse in Politik­wissenschaften besuchen kann – eine Mannheimer Besonderheit. Warum Santiago es schätzt, auch während der Pandemie in Mannheim zu sein, was ihm an seinem Studium besonders gut gefällt und was er in seiner Freizeit macht, das verrät er in der neuesten myUniMA story.

Für ein Bachelor­studium an der Uni Mannheim braucht man gute Deutsch­kenntnisse. Woher kannst du so gut Deutsch?

Ich habe in Costa Rica eine Humboldtschule besucht und lerne schon seit dem Kindergarten Deutsch. Das war schon ein bisschen verrückt: Ich habe auf Deutsch costa-ricanische Flüsse und Berge im Erdkunde­unterricht gelernt und in Mathematik kannte ich eher den deutschen Begriff für Geodreieck als den spanischen. Nach dem costa-ricanischen Abschluss und dem deutschen Abitur habe ich mir dann gedacht, dass es vermutlich ein sprachlicher Schock für mich wäre, an einer Universität in Costa Rica zu studieren. Trotzdem habe ich es versucht und angefangen, Politik­wissenschaften in Costa Rica zu studieren bis ich die Zulassung aus Mannheim bekam und ich mich entschied, nach Deutschland zu gehen.

Und warum hast du dir die Uni Mannheim für dein Studium ausgesucht?

Einerseits sind natürlich Rankings wichtig. Aber andererseits ist die Kombination von VWL mit dem Beifach Politik­wissenschaften hier möglich, was mich sehr interessiert hat. Und ich finde Mannheim gut, weil die Stadt genau die richtige Größe hat, nicht zu teuer und sehr international ist, genau wie die Uni Mannheim selbst. Hier haben Internationals viel Kontakt untereinander und können sich dadurch gut eingewöhnen, das hat mich auch überzeugt.

Was gefällt dir an deinem Studium sonst noch besonders gut?

Wichtig ist mir, dass ich in meinem VWL-Studium eine sehr große Flexibilität habe und meine Kurse größtenteils selbst zusammenstellen kann, wodurch mein Studium sehr vielfältig ist. Außerdem besuchen meine Kurse nicht nur Studierende aus meinem Studien­gang, sondern ich lerne auch BWLer, BaKuWi-Studierende oder Master­studierende kennen. Ich finde, das bereitet gut auf den Arbeits­alltag vor, denn dort hat man ja auch mit Leuten aus anderen Abteilungen oder Fach­richtungen zu tun.

Was magst du an Mannheim?

Die Freundlichkeit der Menschen. Ich war vorher schon in Aachen und München und da waren auch alle nett. Aber als ich in Mannheim am Bahnhof angekommen bin, waren da direkt Leute, die mir mit meinem Koffer helfen wollten und mich nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch angesprochen haben. Und auch in meinem Wohnheim haben alle gesagt: „Wenn du Hilfe brauchst, hier sind wir.“ Insgesamt fühle ich mich in Mannheim sehr wohl und möchte nicht, dass das Studium schon nach sechs Semestern endet! Ich will es so lange wie möglich genießen, neue Erfahrungen machen und Menschen kennenlernen. Viele haben diese Eile, wollen schnell durchkommen, ich nicht.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Seit Beginn meines Studiums bin ich in der UNICEF-Hochschul­gruppe aktiv und seit diesem Jahr leite ich zum ersten Mal den Vorstand. Ich würde gerne später bei UNCIEF oder einer anderen internationalen Organisation arbeiten. Daher, und aufgrund meiner Erfahrungen in Deutschland und Costa Rica, interessiere ich mich neben VWL sehr für Politik­wissenschaften, besonders für internationale Beziehungen.

Außerdem kann man in Deutschland und speziell hier in Mannheim sehr viel im Freien unternehmen. Einfach in die S-Bahn einsteigen und die Umgebung erkunden. Ich fotografiere gerne. Abends gehe ich häufig zum Neckar, spiele dort Basketball und gucke dabei den Sonnen­untergang an. Dort habe ich auch Freunde gefunden. Vor Corona war ich außerdem häufiger im Fitnessgym in D2 und im 55 CrossGym. Sport ist ein wichtiger Ausgleich für mich.

Hat die Corona-Pandemie noch andere Teile deines Lebens beeinflusst?

Ich bin dankbar, gesund zu sein, aber auch mehr alleine, da viele meiner Freunde wieder zu Hause leben. Dadurch telefoniere ich häufiger mit Familie und Freunden. Ich habe mich aber bewusst entschieden, hier in Mannheim zu bleiben. Im letzten Jahr war ich während der Klausuren­phase längere Zeit zu Hause und musste durch die Zeitverschiebung meine Klausuren morgens um 3 Uhr schreiben. Zwei Wochen vorher ging ich mittags ins Bett gehen und stand abends auf, um mich umzugewöhnen. Dann habe ich nach dem Motto der VWLer meine Opportunitätskosten abgewogen: Kein Leben, Nachteule sein? Oder alleine in Mannheim, aber Licht haben während des Tages?

Was würdest du anderen Studierenden, auch nicht-internationalen, gerne mit auf den Weg geben?

Wenn man wirklich an der Uni Mannheim studieren möchte, dann klappt das auch: Für Finanzen, Sprache und alle anderen wichtigen Dinge gibt es immer Unterstützung und einen Weg! Das sollte man meiner Meinung nach immer im Kopf behalten: „Jeder kann es schaffen, man muss sich nur trauen.“ Und wenn man dann hier ist, sollte man sich in einer Hochschul­gruppe oder Initiative engagieren. Dort lernt man neue Leute kennen und sich zu integrieren. Und natürlich: Wer will nicht in einem Schloss lernen? Manchmal sitze ich in der Bib und denke: Ich bin in einem Barockschloss – krass!

Text: Luisa Gebhardt / März 2021