Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Gastvortrag von Prof. Dr. Daniela Kuschel im Seminar „¡Luz, cámara, inclusión!“ (Anna-Lena Hauser): Der gelähmte Körper als Ort des Widerstands

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Prof. Dr. Daniela Kuschel

EO 157 Seminarraum (Schloss Ehrenhof Ost)

Am 19. März ist Prof. Dr. Daniela Kuschel (HHU Düsseldorf) zu Gast im Seminar „¡Luz, cámara, inclusión! – Darstellungen von Behinderung im spanischsprach­igen Kino“ von Anna-Lena Hauser. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Der gelähmte Körper als Ort des Widerstands: Narrative von Selbst­bestimmung und individueller Lebens­erfahrungen“ widmet sie sich dem vielfach ausgezeichneten Film Mar adentro (Alejandro Amenábar, 2004).

Der Film basiert auf der autobiographischen Erzählung von Ramón Sampedro, einem Seemann, der seit einem Unfall vor 26 Jahren Tetraplegiker ist. Für Ramón ist der Verlust seiner körperlichen Mobilität und damit Autonomie nicht nur physisch, sondern existenziell. Deshalb kämpft er für das Recht, ein Leben, das er selbst für unwürdig hält, zu beenden.

Der Vortrag zeigt, dass der Film durch seine Ästhetik und Erzählweise verdeutlicht, dass es sich hierbei um eine ganz individuelle Position handelt und Pauschalisierungen sowie stereotypen Vorstellungen eines kausalen Zusammenhangs von körperlicher Immobilität und Lebens­überdruss keinen Raum lässt. Es geht dem Film nicht um eine Bewertung der physischen Situation des Protagonisten im Sinne eines medizinischen Modells von Behinderung, sondern um die radikale Behauptung der eigenen Entscheidungs­gewalt und der Autorität über die eigene Lebens­geschichte. Der Vortrag zeigt zudem, dass, indem Ramóns innere Bewegtheit konstant zum Ausdruck kommt, nicht nur gängige ableistische Annahmen über die Gleich­setzung von Immobilität mit Passivität, Desexualisierung und dem Verlust von Subjektivität herausgefordert werden. Trotz – oder gerade aufgrund – des Suizidnarrativs wird Selbst­bestimmung motivisch erhöht.

Gepaart mit anderen Erzählungen aus dem Life Writing (z. B. Texte von Jean-Dominique Bauby, Marcel Nuss und Philippe Vigand) – in denen die Lebens­lust zentral ist und die Fortführung des Lebens, nicht sein Ende, imaginiert wird – diskutiert der Vortrag, wie der gelähmte Körper zum Ort des Widerstands wird, der kulturelle Entsprechungen von Mobilität und Vitalität herausfordert.

Der Gastvortrag findet im Rahmen des Seminars statt; Interessierte sind herzlich eingeladen. 

Der Eintritt ist frei.

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