Grüner Campus

Ein Bienenhotel im Rektoratshof, Sammelstationen für benutzte Kaffeetassen – wer das Barockschloss betritt, spürt unweigerlich, dass sich hier jemand Gedanken macht. Dinge anpackt. Hinter den zahlreichen, so sichtbaren Projekten und Aktionen zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit stecken vor allem zwei Partner der Universität Mannheim: das Studierenden­werk Mannheim und die Service und Marketing GmbH. Sie reagieren auf Anregungen der Studierenden, optimieren stetig ihre Betriebs­prozesse und beschreiten seit Jahren gemeinsam den Weg hin zum grünen Campus.

20.000 Menschen, die auf dem Ehrenhof feiern, lachen und klatschen. Wenn Betty Kübe, die Geschäftsführerin der Service und Marketing GmbH, von den Schlossfesten erzählt, gerät sie ins Schwärmen. Was heute beinahe unvorstellbar klingt, war vor der Pandemie der normale Alltag ihres Event-Teams. Jedes Jahr organsierte die Service und Marketing GmbH der Universität Mannheim über 500 Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse im und um das Barockschloss. 500 Abende, an denen das Team sich mit dem konfrontiert sah, was von Veranstaltungen bleibt, wenn die Gäste längst in ihren Betten liegen. „Der Müllberg eines Abends, der sich auftürmt, das ist schon erschreckend. Und das war für uns, insbesondere das Event-Team, schon vor Jahren ein Grund, zu handeln“, erzählt Betty Kübe.  

Und so finden die Kongresse und Veranstaltungen, die die Service und Marketing GmbH durchführt, bereits seit 2015 allesamt unter dem Aspekt „Green Event“ statt. Das bedeutet: ausschließlich Mehrweggeschirr, Pfandflaschen und Stofftischdecken, keine Zuckertütchen und Sahnedöschen. Für die Schneckenhoffeten wurden wiederverwendbare Plastikbecher angeschafft. Bleibt Essen übrig, geht das an die Tafel. Fleisch und Gemüse stammen aus der Region.  

Auch auf die anderen Bereiche hat die Geschäftsführerin seit jener Zeit ein Auge in Sachen Ressourcenschonung. „Aufgefallen sind mir die vielen Kopien für die Kurse des Studium Generale und Deutsch als Fremdsprache. So haben wir seit drei Jahren eine Moodle Plattform eingerichtet, von der unsere Kursteilnehmenden Unterrichtsmaterialien her­unterladen können. Auf das Kopieren verzichten wir seither fast vollständig“, führt Betty Kübe ein Beispiel an.  

So viel Umsicht und Engagement wurde 2017 sogar mit dem Umweltpreis der Stadt Mannheim belohnt. Den erhielt die Service und Marketing GmbH für ihr Projekt „MaCup“, das erste Pfandbechersystem auf dem Campus der Universität Mannheim. „Das haben wir eingeführt, um der damaligen Coffee-to-go-Becherflut eine umwelt­freundliche Alternative entgegenzusetzen. Wir haben einfach auf die Umstände reagiert und das sehe ich als unsere Aufgabe an. Das ist ein fließender Prozess, den alle in der Service und Marketing GmbH stetig optimieren“, sagt Betty Kübe.  

Und so endete die Geschichte mit dem Kaffee auf dem Campus auch keineswegs mit dem preisgekrönten „MaCup“. Angestoßen durch die Bachelor­arbeit des Hochschul­studenten Jan Karcher verfolgt das Studierenden­werk Mannheim seit 2020 ein nachhaltiges Konzept für einwegbecherfreie Mensen und Cafeterien. Im Auftrag des Dienstleisters für rund 25.000 Studierende an fünf Mannheimer Hochschulen erstellte Karcher eine wissenschaft­liche Analyse, in der er die Emissionen von Einwegbechern mit denen einer vollständigen Umstellung auf Mehrweggefäße verglich. Das Ergebnis: Die Emissionen ließen sich um den Faktor 10 reduzieren. Geboren war die Idee des Projekts „Cup to Go®“.  

„Im Zentrum dieser Idee steht, dass es gar keine Einwegbecher mehr gibt, sondern Arcopal-Tassen. Arcopal ist eine Art gehärtetes Glas, das den unschlagbaren Vorteil hat, dass sein Verschleiß im Spülprozess sehr gering ist“, erklärt Jan Karcher die bewusste Auswahl des Materials. Die Tassen stehen bediener­freundlich neben den Kaffeeautomaten, können mitgenommen und an den zahlreichen Sammelstellen auf dem Campus bequem wieder abgestellt werden. In festen Zyklen klappern ehrenamtliche Tassensammler die Stellen mit einem Elektrorad ab und bringen die benutzen Tassen in den Spül­bereich. Ein Kreislauf, der gut durchdacht und noch besser durchkalkuliert ist: Mit der Einführung des „Cup to go®“ und der Abschaffung von Einwegbechern kann das Studierenden­werk Mannheim jedes Jahr über eine Tonne klimaschädlicher Treibhausgase einsparen. „Dieser Erfolg hat uns sehr motiviert, Verantwortung für alle unsere Emissionen zu übernehmen und das ganze Unternehmen in den Fokus zu rücken“, sagt Geschäftsführer Peter Pahle.  

Und so entwickelte Jan Karcher, mittlerweile als Geschäftsführer der Green Vision Solutions GmbH, das Konzept „Kennzahlengestützter Klimaschutz®“ für Studierenden­werke und erfasste auf diesem Wege sämtliche ökologische Unternehmens­kennzahlen. Wer sich durch die seitenlangen Rechercheergebnisse, Tabellen und Diagramme wühlt, stößt am Ende auf eine beeindruckende Zahl: Das Studierenden­werk Mannheim hat das Potenzial, jährlich ca. 3.000 Tonnen Treibhausgase einzusparen. „Wir haben alle Daten auf einem Dashboard zusammengeführt, das uns übersichtlich und detailgenau zeigt, wo gerade ein Hotspot an Emissionen ist – beispielsweise in welchem Wohnheim der Verbrauch gerade sehr hoch ist – und wo noch Einsparpotenzial da ist. Bei vielen Bettplätzen fallen entsprechend große Energiemengen an. Um Klimaneutralität zu erzielen, fahren wir auf zwei Gleisen. Das zukunftsgerichtete ökologische Verbesserungs­konzept ergänzen wir mit der Kompensation von bereits ausgestoßenen Emissionen“, erklärt Jan Karcher.  

Durch von den Vereinten Nationen zertifizierte Kompensationen darf sich das Studierenden­werk Mannheim seit 2020 klimaneutral nennen, übrigens als erstes in ganz Deutschland. „Das wirklich Schöne ist, dass wir jetzt Anfragen von Studierenden­werken aus ganz Deutschland haben, die sich für das Konzept interessieren. Da bewegt sich etwas in einem großen Maßstab. Ich persönlich kenne die Uni Mannheim noch aus dem Vorjahrtausend und bin glücklich, dass hier so viel Wandel möglich ist und dass wir viele tolle Anregungen von Studierenden oder – im Falle von Herr Karcher – von Ex-Studierenden bekommen“, sagt Peter Pahle stolz.  

Am Ende der Reise ist man noch lange nicht, da sind sich alle Beteiligten einig. Ganz im Gegenteil. So feierte die Service und Marketing GmbH ihr 20-jähriges Jubiläum mit einer Reihe nachhaltiger Aktionen auf dem Campus wie einer Tonersammlung oder dem Pflanzen einer Wildblumenwiese und das Studierenden­werk hat im Dezember 2021 mit dem greenes²® in der Mensaria am Schloss ein achtsames Gastrokonzept eröffnet. Seine Emissionen auf Unternehmens­ebene möchte das Studierenden­werk bis 2030 noch einmal halbieren. Und wenn es im Sommer auf dem Rektoratshof eifrig summt, dann ist eines auch klar: Die Wildbienen, die ins neue Insektenhotel eingezogen sind, sind nicht die einzigen, die hier fleißig daran mitarbeiten, dass der Campus der Universität Mannheim Stück für Stück immer grüner wird.

Text: Jule Leger / April 2022