Dr. Simone Burel gründete die LUB GmbH / Foto: LUB GmbH

Die erste linguistische Unternehmens­beratung Deutschlands

Dr. Simone Burel gründete 2015 die LUB GmbH, die erste Linguistische Unternehmens­beratung in Deutschland. Seitdem berät sie Unternehmen zu der Sprache, die sie in internen und externen Dokumenten sowie in Gesprächen verwenden. FORUM hat sich mit ihr über ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit unterhalten und herausgefunden, warum ein Teil des jährlichen Umsatzes von LUB gespendet wird.

Wie kam es dazu, dass Sie eine Linguistische Unternehmens­beratung gegründet haben?

Ich habe LUB 2015 als Spin-Off meiner Dissertation gegründet. Ich promovierte zu Texten der Dax-30-Unternehmen, in denen diese sich selbst nach außen darstellten: Ich untersuchte unter anderem Leitbilder, Geschäftsberichte und den Wertekanon. Die Idee zu diesem Thema entstand während meines Studiums an der Universität Mannheim in einem Kurs zu wirtschaft­lichem Wissen für Geistes­wissenschaft­lerinnen und Geistes­wissenschaft­ler. In dem Kurs analysierten wir Leitbilder von Unternehmen.

Wie waren die Reaktionen auf ihre Gründung?

Die ersten Reaktionen waren gemischt: Wirtschaft und Hochschulen haben mit großem Interesse oder sogar Begeisterung auf die Er­kenntnis reagiert, dass Sprache messbar wird. Es wurde allerdings kritisiert, dass Sprache ein Grundgut sei und Menschen dafür kein Geld ausgeben wollen. Dass sich die Optimierung von Sprache aber positiv auf Zufriedenheit und Performance in Organisationen auswirkt, wurde schon in vielen Langzeit­studien gezeigt. Das Problem ist eher, dass schnelle Erfolge schwierig nachzuweisen sind, weil Kennzahlen und Key Performance Indicators (KPI) für den erfolgreichen Einsatz von Sprache meist nur indirekt, zum Beispiel durch Likes, definiert werden. Natürlich reagieren wir auch auf aktuelle Themen: Im Moment bieten wir ein Handbuch Krisenkommunikation zu Corona an, was gut angenommen wird.

Was genau kann man sich unter Linguistischer Unternehmens­beratung vorstellen? Wozu beraten Sie Unternehmen?

LUB setzt dort an, wo viele andere Beratungen normalerweise aufhören: Wir werten nicht nur die Zahlen eines Unternehmens aus, sondern ebenso Sprache und Texte – denn Unternehmens­daten bestehen zu 80% aus Wörtern. Grundsätzlich können die Leistungen von LUB auf alle Bereiche angewendet werden, in denen Sprachdaten zur Verfügung stehen. Begonnen bei der Unternehmens­kommunikation, haben wir unsere Leistungen inzwischen auf die Bereiche Personal, Nachhaltigkeit/Corporate Social Responsibility (CSR) und (digitale) Strategie ausgeweitet. Wir machen die Sprache von Stellenanzeigen gender­gerecht, führen komplexe Informationen zu einem Nachhaltigkeits­bericht zusammen, der nicht nur aus inhaltslosen Phrasen besteht oder texten Chatbottexte für kommunale Träger und Service-Bots von Versicherungen, Banken oder im Einzelhandel.

Heute gehören zu Ihren Kunden einige renommierte Unternehmen in der Region. Warum haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden und was waren die größten Herausforderungen für Sie als junge Gründerin?

Ich arbeitete vor der Gründung als Kommunikations­leiterin bei einem Fondsdienstleister und stellte nach kurzer Zeit fest, dass ich in dem traditionellen, konservativen und männerdominierten Arbeits­umfeld, in dem jeder für sich alleine kämpft, nicht arbeiten wollte. Ich beendete den Job nach einem halben Jahr mit einem Burnout. Während der Suche nach einer neuen Arbeit überlegte ich mir, was und vor allem wie ich arbeiten wollte. Daher gründete ich mein eigenes Unternehmen. Anfänglich hatte ich nur einen kleinen Kundinnen- und Kunden­kreis. Doch durch das Netzwerk, das ich mir aufgebaut hatte, kamen renommierte (DAX-)Unternehmen hinzu, sodass ich inzwischen zehn Personen beschäftigen kann. Die Corona-Krise ist dennoch eine Herausforderung für uns, aber genügend Großprojekte und solide Rücklagen halten uns über Wasser.

Wo soll es für Ihre Unternehmens­beratung in Zukunft hingehen?

Die Themen Nachhaltigkeit, CSR, künstliche Intelligenz – v.a. Chatbots – und Gender bleiben auch in den nächsten Jahren hochaktuell. Deswegen wollen wir unseren Bekanntheitsgrad und Kundinnen- und Kunden­kreis im DACH-Raum weiter ausbauen. Wir sind stolz darauf, dass wir zu 100% eigenkapitalfinanziert sind und wollen das auch in Zukunft bleiben. Mit der Digitalen Fatale University (DFU) haben wir ab Frühsommer ein neues Karrierecoaching für alle karriere­interessierte Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft im Angebot, das wir mit der Zeit ausbauen wollen, um die beruflichen Möglichkeiten von Frauen zu stärken. Die DFU ist eine digitale Fortbildungs­akademie und ein Produkt von Dr. fem. Fatale, unserer 2016 gegründeten Submarke für den Bereich Personal, Gender Equality, Female Empowerment und Diversity in der Arbeits­welt 4.0.

War die wissenschaft­liche Karriere für Sie eine Option?

Mit LUB habe ich für mich die perfekte Möglichkeit gefunden, Unternehmerinnentum und Wissenschaft zu verbinden. Für mich bedeutet Unternehmertum vor allem die Freiheit, meine eigenen Vorstellungen von Arbeiten und Denken sowie meine Werte zu verwirklichen und diese an mein Team sowie unsere Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Ich schreibe nach wie vor wissenschaft­liche Beiträge und bin als Fach­buchautorin tätig – gerade erscheint mein Buch „Quick Guide Female Leadership – Frauen in Führungs­positionen in der Arbeits­welt 4.0“. Außerdem sind unsere Workshops und Vorträge wissenschaft­lich fundiert und werden ständig anhand der neuesten Er­kenntnisse auf dem jeweiligen Fach­gebiet aktualisiert.

Warum sind Sie den Freunden der Universität Mannheim beigetreten?

Wir haben durch unsere Arbeit eine hohe Nähe zur Wissenschaft, da wir die Er­kenntnisse aktueller wissenschaft­licher Forschung mit Anwendungs­problemen aus der Praxis verbinden. Mit der Universität Mannheim arbeiten wir schon lange durch das Mannheim Center for Entrepreneurship and Innovation (MCEI) zusammen. Wir lernen dadurch viel Neues und profitieren sehr von den lokalen Netzwerken. Außerdem bin ich schon drei Jahre als Mentorin an einigen Universitäten tätig und wurde im Dezember 2019 in den Wirtschafts­beirat von Baden-Württemberg International gewählt.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Universitäten?

Ich bekomme viele Nachrichten von Geistes­wissenschaft­lerinnen und Geistes­wissenschaft­lern aus ganz Deutschland, die mich fragen, wie sie ihr Wissen in der Wirtschaft nutzbar machen können. LUB ist in eine Markt­lücke getreten und andere Absolventinnen und Absolventen der Geistes­wissenschaften wollen nun in diesen Markt. Ich freue mich Studierende zu motivieren, sodass sie ihre geistes­wissenschaft­liche Bildung als Vorteil sehen. Als Unternehmerin möchte ich vor allem für jetzige und zukünftige weibliche Generationen ein gutes Vorbild sein. Daher bin ich auch Mitglied in verschiedenen weiblichen Netzwerken wie den Spitzenfrauen Baden-Württemberg oder den Digital Media Women. Außerdem lerne immer wieder Neues über digitale Skills, Arbeits­techniken und -ethik von den Studierenden, bin gern mit ihnen im Austausch und daher regelmäßig ehrenamtlich auf universitären Podiumsdiskussionen.

Sie bieten auch Praktika an. Was können Praktikanten bei Ihnen lernen?

Wir sind ein junges, dynamisches Team mit flachen Hierarchien. Ich sehe den Mehrwert in der Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten jeder Alters­gruppe und jeden Geschlechts. Praktikantinnen und Praktikanten bearbeiten bei uns vom ersten Tag an eigen­verantwortliche Projekte. Ich bin davon überzeugt, dass wir so bessere und kreativere Ergebnisse erhalten und die Person damit einen höheren Lernzuwachs hat. Als Team haben wir ein innovatives, nachhaltiges und modernes Arbeits­klima kreiert und bieten zum Beispiel kostenlose Getränke und Snacks, arbeiten papierlos und es gibt eine 100%-Homeoffice-Garantie. Praktikantinnen und Praktikanten sollten offen für diese dynamische Arbeits­weise sein – und ein Interesse für sprachliche Themen mitbringen.

Sie spenden seit 2019 mindestens ein Prozent des Jahresumsatzes an ausgewählte wissenschaft­liche oder soziale Organisationen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und an wen haben Sie im letzten Jahr gespendet?

Als Nicht-Akademikerkind musste ich vieles erlernen und erarbeiten, was für andere selbstverständlich ist. Um das hinzubekommen, hatte ich genug persönliche Stärke und Möglichkeiten. Mir war es daher schon immer wichtig, mich für diejenigen, denen es weniger gut geht, einzusetzen. Im Rahmen unserer CSR-Beratungen haben wir eine Studie gemacht und festgestellt, dass Unternehmen nur circa 0,1 Prozent ihres Umsatzes spenden. Das finde ich fatal. Daher unterstützen wir zum Beispiel das Frauencafé Ludwigshafen, das sich an geflüchtete Frauen und Migrantinnen wendet, oder UN Women. Beim Frauencafé Ludwigshafen stellen wir am jährlich stattfindenden Frauenfest kostenlos eine Speakerin sowie eine Karriereberaterin.

Sie üben verschiedene Funktionen aus, teilweise in Gremien oder Räten auf Landes­ebene: Bleibt da auch noch Zeit für Hobbys?

Ja, das ist mir sehr wichtig. Ich versuche immer, einen Ausgleich zur Arbeit zu finden und Dinge zu unternehmen. Das gelingt mir am besten beim Langstreckenlauf, Lesen, im Theater oder mit meiner Familie und unserer alten Katze.

Hier gelangen Sie zur LUB GmbH und Dr. fem Fatale.

Text: Luisa Gebhardt / März 2020