Starke Sportarten

Inline Alpin: Elea Börsig

Mit drei Jahren stand BWL-Studentin Elea Börsig das erste Mal auf Inlineskates. Heute, 21 Jahre später, nimmt sie weltweit als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft an Inline Alpin-Wettbewerben teil – mit großem Erfolg, denn sie ist mehrfach amtierende Weltmeisterin. Worum es bei dieser nur auf den ersten Blick ungewöhnlichen Sportart geht und wie die Spitzensportstipendiatin dazu kam, hat sie uns erzählt.

Sommer 2023 in Tuttlingen, eine Stadt im Süden Baden-Württembergs. Elea Börsig steht auf Inlinern auf einer gut asphaltierten Nebenstraße mit wenig Verkehr. Vor ihr aufgebaut eine Rampe mit ca. 10 Prozent Steigung und 30 Platten: gusseiserne, schwere Platten, die einen Weg markieren und an denen Stangen befestigt sind, um die Börsig möglichst schnell und technisch fehlerfrei im Slalom herumfahren muss. Ihre bisherige Rekordgeschwindigkeit in diesem Jahr: 58 km/h. Langsamer als beim Ski Alpin, denn sie fährt auf Inlinern: Inline Alpin. Die Geschwindigkeit trotzdem Routine für Börsig: „Ich mache Inline Alpin jetzt schon mein Leben lang, ich stand mit drei Jahren zum ersten Mal auf Inlinern“, sagt die 23-Jährige.

Aufgewachsen auf der Schwäbischen Alb mit zwei älteren Schwestern, schaute sich Börsig von diesen die Sportarten ab: Im Winter nahm sie an Ski-Wettkämpfen teil und übte im Sommer auf Inlinern das Slalomfahren. Schnell ist sie wie ihre Schwestern fasziniert von den Geschwindigkeiten, dem Nervenkitzel und der nötigen technischen Präzision beider Sportarten „Inline Alpin war ursprünglich das Sommertraining für den Wintersport. Vor knapp 20 Jahren hat sich aufgrund einer international wachsenden Inline Alpin-Community daraus eine Sportart entwickelt“, erklärt Börsig. Ihr heimatlicher Skiverein erkannte die wachsende Popularität und eröffnete eine Inlinesportabteilung, der sich die BWL-Studentin schnell anschloss. „Früher habe ich sowohl Ski- als auch Inlinesport gemacht und in beiden Disziplinen an Wettkämpfen teilgenommen“, sagt die Sportlerin. Fast wäre sie auf ein Sportinternat für das Skifahren gegangen: „Aber das hätte bedeutet, dass mein Fokus viel mehr auf Ski Alpin liegt“, sagt sie. Sie entschied sich gegen eine professionellere Skilaufbahn und der Erfolg gibt ihr Recht: Seit vielen Jahren gehört sie zu den besten Läufer*innen der Deutschen Inline Alpin-Nationalmannschaft; seit letztem Jahr ist sie auch Mannschafts­sprecherin.

Mit dieser Mannschaft reist die Spitzensportstipendiatin zu internationalen Wettkämpfen in Spanien, Lettland oder China. Die Veranstaltungen sind meistens mitten in der Stadt, damit noch mehr Menschen auf die Sportart aufmerksam werden. Damit ist auch das nächste Ziel für den Weltverband klar: Die Bewerbung für Olympia einreichen. Bis es so weit ist, widmet sich Börsig weiterhin gleichzeitig Sport und Studium. „Ich hatte mir gewünscht, dass ich in Mannheim angenommen werde, da dort das Gesamtpaket am besten passt: Eine sehr gute Universität plus die Möglichkeit umfangreiche Unterstützung durch das Spitzensportstipendium zu erhalten, um Sport und Uni bestmöglich zu kombinieren“, sagt sie. Börsig ist sich sicher, dass sie durch die Kombination aus Leistungs­sport und Universität schon einiges gelernt hat: „In all den Jahren habe ich unglaublich viel in Bereichen wie Organisations­fähigkeit, Ausdauer oder Team­fähigkeit dazugelernt, was ich als großes Asset sehe“.

Text: Luisa Gebhardt/Dezember 2023


Beachhandball: Amelie Möllmann

Beachhandball – das klingt schwierig, schließlich kann man auf Sand nicht dribbeln. Auch laufen und springen fällt viel schwerer als in der Halle. Doch davon lässt Amelie Möllmann sich nicht abschrecken. Die 22-Jährige studiert den Mannheim Master in Management und ist eine von Deutschlands erfolgreichsten Beachhandballerinnen. Was sie an dieser noch jungen Sportart reizt und wovon sie träumt, hat sie FORUM berichtet.

Amelie Möllmann fährt zweigleisig: Wie alle Beachhandballer*innen hat sie zunächst die Technikgrundlagen in der Halle gelernt. Mit fünf Jahren trat sie einem Verein in ihrem Heimatort in der Nähe von Helmstedt bei. Heute spielt sie in der zweiten Handball-Bundes­liga für die „Kurpfalz Bären“ der TSG Ketsch. Ihre große Leidenschaft ist aber Beachhandball, das sie zum ersten Mal mit 14 Jahren ausprobierte. „Die ersten zwei Jahre waren schrecklich“, erzählt sie lachend. „In der Halle war ich ein Talent, im Sand funktionierte nichts.“ Das ist heute anders: Die deutsche Meisterin von 2021 gewann als Rechts­außen der deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft innerhalb von weniger als einem Jahr den Titel bei den Europa- und Weltmeisterschaften sowie den World Games.

Doch was unterscheidet Beachhandball von Hallenhandball? „Mir gefällt die Schnelligkeit. Es passiert so viel auf dem Spielfeld in den zwei Halbzeiten à 10 Minuten“, sagt die Expertin. Das liegt vielleicht auch am kleineren Feld und der geringeren Spieler*innenzahl: Im Sand spielen vier gegen vier, in der Halle sieben gegen sieben. Und dann ist da noch der artistische Aspekt: Beim Beachhandball gibt es zwei Punkte für ein Tor, wenn es durch einen Trickwurf erzielt wurde. Möllmann beherrscht diese Variante offensichtlich hervorragend: Bei den World Games 2022 erzielte sie die meisten Tore. Die Begeisterung für den Sport merkt man ihr bei jedem Wort an. Mit leuchtenden Augen berichtet sie von den tollen Orten, an denen die Turniere stattfinden, der ganz besonderen Stimmung am Strand und unter den Beteiligten. Dennoch ist ihr wichtig: „Beachhandball ist Leistungs­sport.“

Möllmanns Hallenverein unterstützt ihre zweite Karriere im Sand zu 100 Prozent und stellt sie für Lehr­gänge und Wettkämpfe bei Bedarf frei – und der Sommer gehört ohnehin ganz ihrer Leidenschaft. Dann nimmt Möllmann mit den Minga Turtles aus Ismaning an Turnieren der deutschen Beachhandball-Serie teil und reist mit der Nationalmannschafft um die Welt.

Natürlich ist diese Doppelbelastung auch manchmal anstrengend: „Ich bin ja in zwei Mannschaften, die ich beide unterstützen möchte“, sagt Möllmann. Im Sommer muss sie viel allein trainieren, weil ihre Beachhandballmitspielerinnen über ganz Deutschland verteilt sind. Da ist individuelle Disziplin gefragt. Für Möllmann kein Problem: „Ich bin sehr ehrgeizig und kompetitiv. Deshalb habe ich mich auch schon vorm Bachelor für ein Studium in Mannheim entschieden. Ich wusste, dass ich hier eine exzellente Ausbildung bekomme und viele Gleichgesinnte treffe.“ Unterstützt wird sie dabei vom Spitzensportstipendium Metropolregion Rhein-Neckar.

Fragt man Möllmann, was sie sich für die Zukunft wünscht, antwortet sie ohne Zögern: „An den olympischen Spielen in Paris teilnehmen – und meinen Sport in Deutschland bekannter machen!“

Text: Dr. Maartje Koschorreck/Dezember 2023

Beachhandball bei den Olympischen Spielen
Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist Beachhandball eine der sogenannten Demonstrations­sportarten, das heißt, es ist (noch) kein fester Bestandteil des olympischen Programms. Es treten je vier Herren- und vier Damenteams gegeneinander an. Geplant sind nationen­übergreifenden All-Star-Teams. Welche Spieler*innen teilnehmen dürfen, entscheidet voraussichtlich der Handball-Weltverband IHF.