GBP-Monitor: Energieintensive Unternehmen planen Preise in den nächsten 12 Monaten um durchschnittlich 17 Prozent zu erhöhen

Der Oktober-Bericht des German Business Panel (GBP) macht deutlich: Unternehmen in Deutschland rechnen auch im kommenden Jahr mit einer konstant hohen Inflation von über 10 Prozent. Das hat erhebliche Aus­wirkungen auf die Preisgestaltung der Unternehmen. In den kommenden 12 Monaten planen insbesondere Unternehmen aus energieintensiven Industrien, ihre Preise deutlich zu erhöhen – im Schnitt um 16,7 Prozent. Die höheren Inflations­erwartungen der Unternehmen beeinflussen somit den tatsächlichen Inflations­verlauf erheblich.

Pressemitteilung vom 14. Oktober 2022
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Während die Bundes­bank noch im Juni für 2023 mit einem Rückgang der Inflations­rate auf 4,5 Prozent rechnete, sehen die Erwartungen der Unternehmen in Deutschland gänzlich anders aus. Diese rechnen auch für das kommende Jahr damit, ihre Preise um mehr als 10 Prozent zu erhöhen. Als Hauptgrund geben die befragten Unternehmen die steigenden Energie- und Materialkosten (70 Prozent) sowie die steigenden Lohnkosten (64 Prozent) an. Getrieben werden die Preiserhöhungen vor allem von den energieintensiven Branchen: „Diese Branchen streben mit den Preiserhöhungen vor allem einen Ausgleich der massiv gestiegenen Beschaffungs­kosten an. Auf diese Weise geben sie wiederum den Kostendruck nicht nur an Verbraucher weiter, sondern auch an andere Unternehmen, die auf Zulieferer aus den energie­intensiven Branchen angewiesen sind“, erklärt Prof. Dr. Jannis Bischof, Projektleiter des GBP und Inhaber des Lehr­stuhls für ABWL und Unternehmens­rechnung an der Universität Mannheim.

Inflations­erwartungen können zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden

Gehen Unternehmen von weiter steigenden Preisen aus, neigen sie häufiger dazu, selbst ihre Preise zu erhöhen. Das zeigen auch die aktuellen GBP-Daten. Denn über alle Branchen hinweg plant mehr als die Hälfte der Unternehmen, ihre Preise deutlich häufiger anzupassen. „Die Preiserhöhungen finden etwa 1,7 mal schneller als in der Vergangenheit statt. Dies bedeutet, dass sich etwa 60 Prozent eines plötzlichen Anstiegs der Preiserwartungen, ausgelöst beispielsweise durch Kriegsgeschehnisse, direkt auf die gegenwärtige Inflation überträgt“, erklärt Prof. Dr. Davud Rostam-Afschar, akademischer Leiter des GBP an der Universität Mannheim.

Aktuell planen rund 70,2 Prozent der Unternehmen in Deutschland, ihre Preise innerhalb der kommenden zwölf Monate zu erhöhen. In den energieintensiven Industrien (Verarbeitendes Gewerbe und Handel) sind es sogar 77 Prozent und auch die Corona-Krisenbranchen (Gastgewerbe und Gastronomie) liegen mit 71,4 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Während energieintensive Unternehmen ihre Absatzpreise deutlich (16,7 Prozent) innerhalb der kommenden zwölf Monate erhöhen wollen, scheinen Gastgewerbe und Gastronomie Kostenerhöhungen nicht im gleichen Maße an ihre Kunden weitergeben zu können. Sie planen mit einer Preiserhöhung um durchschnittlich 9,6 Prozent und liegen damit deutlich unter dem Durchschnitt (13,4 Prozent). „Die geplante Preiserhöhung hängt nicht davon ab, ob das Erreichen der Finanz­ziele als sicher oder unsicher betrachtet wird“, so Bischof. „Vielmehr zählt die Kunden­bindung und ob Unternehmen in der Lage sind, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben, ohne diese zu verlieren.“

Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet dauerhaft erhöhte Inflation

Wie hoch die Kostenunsicherheit ist, zeigt sich dadurch, dass nur etwa 40 Prozent der Unternehmen von einem Rückgang der Inflation im Jahr 2023 ausgehen. Dagegen sieht die Mehrheit der Unternehmen die hohen Inflations­raten nicht als vorübergehendes Phänomen. Dementsprechend unterscheiden sich die geplanten Preiserhöhungen für diese Gruppen deutlich. Das zeigen die Daten des GBP: Wird mit einer dauerhaften Preissteigerung gerechnet, wird im Mittel mit Preiserhöhungen von 15,2 Prozent in den nächsten zwölf Monaten geplant. Demgegenüber liegt die durchschnittliche Preiserhöhung bei 10,8 Prozent, wenn ein Rückgang der Inflations­rate im Jahr 2023 erwartet wird. „Nicht nur die Höhe der Kostenschocks, sondern auch deren Langfristigkeit ist also entscheidend“, so Rostam-Afschar. „Kurzfristig sind daher Kostenerleichterungen für Unternehmen unter der Bedingung, dass Preise nicht erhöht werden, sinnvoll. Parallel müssen aber schnellstmöglich Wege gefunden werden, hohe Kosten zu umgehen und die Kostenunsicherheit zu verringern“.

Den „GBP-Monitor: Unternehmens­trends im Oktober 2022“ finden Sie hier: https://www.accounting-for-transparency.de/wp-content/uploads/2022/10/gbp_monitor_22_10.pdf

Weitere Informationen zum GBP-Monitor
Das German Business Panel befragt monatlich mehr als 800 Unternehmen zur Unternehmens­lage in Deutschland und erhebt dabei Daten zu 1) erwarteten Umsatz-, Gewinn- und Investitions­änderungen, 2) unternehmerischen Entscheidungen, 3) der erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeit in der Branche und 4) der Zufriedenheit mit der Wirtschafspolitik. Zudem wird jeden Monat zu besonders aktuellen Fragen berichtet. In diesem Monat haben wir den Unternehmen unter anderem die Frage gestellt, welche Kostenarten den größten Einfluss auf die Preissetzung haben und wie sich aus individueller Unternehmens­sicht die Inflations­rate – auch unter dem Einfluss des Russland-Ukraine-Kriegs – entwickeln wird.

Hintergrund­informationen zum German Business Panel
Das German Business Panel ist ein langfristiges Befragungs­panel des DFG-geförderten überregionalen Projektes „Accounting for Transparency“ (www.accounting-for-transparency.de). Der Sonderforschungs­bereich (SFB) „TRR 266 Accounting for Transparency“ startete im Juli 2019 und wird von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) für zunächst vier Jahre gefördert. Er ist der erste SFB mit betriebs­wirtschaft­lichem Schwerpunkt. Am SFB sind rund 100 Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler von neun Universitäten beteiligt: Universität Paderborn (Sprecherhochschule), Humboldt-Universität zu Berlin und Universität Mannheim, zudem Forscherinnen und Forscher von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der ESMT Berlin, Frankfurt School of Finance & Management, Goethe-Universität Frankfurt am Main, WHU – Otto Beisheim School of Management, und Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen, wie Rechnungs­wesen und Besteuerung die Transparenz von Unternehmen beeinflussen und wie sich Regulierungen und Unternehmens­transparenz auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Das Fördervolumen des SFBs beträgt rund 12 Millionen Euro.

Kontakt:
Prof. Dr. Jannis Bischof
Lehr­stuhl für ABWL und Unternehmens­rechnung
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181–1630
E-Mail: jbischof uni-mannheim.de