Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Sicher durchs Netz: Neue Studie zeigt, welche digitalen Fähigkeiten Kinder brauchen

Ein Forschungs­team der Universität Mannheim hat erstmals ein Modell entwickelt, das zeigt, welche digitalen Fähigkeiten Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren brauchen. Aus dem von der EU-geförderten Projekt werden nun Workshops und Unter­richtsmaterialien für Schulen entstehen.

Pressemitteilung vom 26. November 2025
Druckversion (PDF)

Kinder surfen immer früher im Internet – doch wie können sie sich dabei selbst schützen? Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Ifenthaler und Nicolai B. Plintz, M.Sc., von der Universität Mannheim haben ein Kompetenz­modell entwickelt, das beschreibt, welche Kenntnisse und Fertigkeiten Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren für einen sicheren Umgang im Netz benötigen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fach­zeitschrift Educational Technology Research and Development veröffentlicht. 

Die Studie wurde im Rahmen des europäischen Projekts „Super Cyber Kids“ durchgeführt. Ziel war es, konkrete Kompetenzen zu benennen, die Kinder in diesem Alter erlernen sollten, um sich in digitalen Räumen sicher zu bewegen. Bislang gab es zwar zahlreiche Einzel­studien und Empfehlungen, aber keine strukturierte Über­sicht. 

Ausgehend von über 500 Vorschlägen identifizierten die Forschenden 257 Kompetenzen, die geeignet sind, um kind­gerechte Medien­kompetenz und Sicherheit zu fördern. Zu den Kompetenzen zählen beispielsweise der Schutz der eigenen Daten, das Erkennen von unerwünschten Nachrichten oder das richtige Verhalten bei technischen Problemen. 

„Kinder und Jugendliche sind heute fast täglich online. Deshalb brauchen sie früh die notwendigen Kompetenzen, um sich selbst zu schützen“, sagt Ifenthaler. „Unser Rahmenwerk hilft Eltern, Lehr­kräften und Bildungs­einrichtungen, gezielt die Fähigkeiten zu fördern, die Kinder im Netz brauchen.“

Die Unter­suchung erfolgte in zwei Schritten. Zunächst wurden im Rahmen einer systematischen Literatur­auswertung 315 Fach­artikel geprüft, von denen 39 in die Analyse einflossen. Anschließend wurden 18 erfahrene Fach­leute aus Pädagogik, Bildung und Technik befragt. Auf Grundlage dieser Daten entwickelten die Forschenden eine übersichtliche Struktur mit 30 Themenfeldern – eine Matrix aus Sicherheits­kategorien wie „Datenprivatsphäre“ oder „Schadsoftware“ und Handlungs­dimensionen wie „erkennen“, „reagieren“ oder „wiederherstellen“. 

Die Forscher legten besonderen Wert darauf, dass die genannten Kompetenzen alters­gerecht sind. Ein Beispiel: Die ursprüngliche Aussage „Kinder können Dateien nach einem Cyberangriff aus einem Backup wiederherstellen“ wurde von den Fach­leuten als zu anspruchsvoll bewertet – und entsprechend angepasst.

Das entwickelte Rahmenwerk dient im weiteren Projektverlauf für die Entwicklung von pädagogischen Leitfäden und Ressourcen für den praktischen Einsatz von spiel­basierter Cybersicherheits­erziehung im Schulalltag. Hierzu wurde eine mehrsprach­ige Online-Plattform (https://platform.supercyberkids.eu) entwickelt. Der Einsatz dieser Ressourcen wird von den Autoren in zukünftigen Studien empirisch getestet. 

Plintz, N.B., Ifenthaler, D. Empowering children online: a holistic skills framework for cybersecurity. Education Tech Research Dev (2025). https://doi.org/10.1007/s11423-025-10565-z

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Ifenthaler
Lehr­stuhl für Wirtschafts­pädagogik – Technologie­basiertes Instruktions­design
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-2270
E-Mail: ifenthalermail-uni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Universität Mannheim
E-Mail: kaulmail-uni-mannheim.de