Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Wikipedia-Projekt: Studierende stärken öffentliches Wissen zu europäischer Identität

Im Wintersemester 2025 haben Studierende der Universität Mannheim europäische Identität nicht nur theoretisch analysiert, sondern aktiv zur öffentlichen Wissensvermittlung beigetragen: Als alternatives Prüfungs­format verfassten und überarbeiteten sie Wikipedia-Artikel zu zentralen Aspekten der europäischen Identität.

Pressemitteilung vom 11. März
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Die Studierenden arbeiteten an insgesamt elf Artikeln in der deutsch- und englischsprach­igen Wikipedia. Die Bandbreite reichte von empirischen Datengrundlagen wie dem European Social Survey – eine länder­übergreifende Datenerhebung, die Einstellungen und Verhaltensmuster der europäischen Bevölkerung misst – über sozialpsychologische Konzepte wie der Kontakthypothese – die Annahme, dass Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener sozialer Gruppen unter bestimmten Bedingungen zur Reduktion von Vorurteilen beitragen kann – , bis hin zu kulturpolitischen Initiativen wie den Europäischen Kulturhauptstädten. Geleitet wurde das Seminar „From Erasmus to Eurovision: Sociological Perspectives on European Identity“ von Dr. Nicole Schwitter vom Lehr­stuhl für evidenz­basierte Politik­wissenschaften.

Wissenschaft, die gelesen wird

Für die Studierenden hatte das Seminar einen besonderen Reiz: Statt eine Hausarbeit ausschließlich für die Lehr­person zu verfassen, schrieben die Studierenden für eine potenziell weltweite Öffentlichkeit. „Das Schreiben eines Wikipedia-Artikels war für mich eine spannende Erfahrung, da wissenschaft­liche Inhalte nicht nur fach­lich korrekt, sondern auch neutral und für eine breite Öffentlichkeit verständlich dargestellt werden mussten“, sagt Studentin Lina Stählin. Auch Student Fabian Sauer hat das Format als besonders bereichernd erlebt: „Insgesamt war dieses Format sehr praxisnah und motivierend, da der Text nicht nur bewertet wird, sondern potenziell dauerhaft öffentlich zugänglich und nutzbar bleibt.“

Digitale Kompetenzen und gesellschaft­liche Relevanz

Das Prüfungs­format verlangt eine klare Argumentation, sorgfältige Literatur­arbeit und die Anwendung theoretischer Konzepte. Das Seminar zielte bewusst darauf ab, neben inhaltlicher Expertise auch digitale Kompetenzen zu fördern. Die Studierenden mussten Quellen kritisch prüfen, bestehende Artikel evaluieren, Neutralitätsregeln und Wikimedia-Normen beachten und wissenschaft­liche Standards in einem offenen Online-Format umsetzen. Alle Beiträge durchliefen vor der Veröffentlichung eine betreute Entwurfs- und Feedback­phase, um wissenschaft­liche Qualität und Wikipedia-Konformität sicherzustellen.

Das Thema des Seminars eignete sich besonders für diese Art der Bearbeitung: „Europäische Identität wird politisch und gesellschaft­lich intensiv diskutiert. Umso wichtiger ist es, dass fundierte Forschungs­ergebnisse verständlich und frei zugänglich aufbereitet werden“, so Dr. Nicole Schwitter. „Die Studierenden haben gezeigt, wie universitäre Lehre und gesellschaft­liche Wirkung zusammengehen können.“

Links zu ausgewählten Wikipedia-Artikeln, die von den Studierenden bearbeitet wurden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kontakthypothese,
https://en.wikipedia.org/wiki/Rejection-Identification_Model,
https://de.wikipedia.org/wiki/Banaler_Nationalismus,
https://en.wikipedia.org/wiki/European_values
https://en.wikipedia.org/wiki/Anti-Europeanism

Wikipedia-Informations­seite zu Wikipedia in der Lehre: 
https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Student_assignments

Kontakt: 
Dr. Nicole Schwitter
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung
Universität Mannheim
E-Mail: nicole.schwittermail-uni-mannheim.de

Dr. Maartje Koschorreck
Pressesprecherin
Universität Mannheim
Telefon: +49 621 181-1080
E-Mail: koschorreckmail-uni-mannheim.de