Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Wirtschafts­befragung vor der Landtagswahl: Unternehmen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kommen in der Corona-Krise vergleichsweise gut weg, sind aber unterschiedlich zufrieden

Die Erfolgsbilanz der Unternehmen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im bundes­weiten Vergleich in der Corona-Krise ist Schwerpunkt des neuesten Berichts des German Business Panel (GBP) an der Universität Mannheim. Sowohl bei den Krisengewinnern als auch bei den Krisenverlierern zeichnen sich dabei regionale Unterschiede ab.

Pressemitteilung vom 10. März 2021
Druckversion (PDF)

Unternehmen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind mit einem Gewinnrückgang von 16 Prozent besser durch die Krise gekommen, als dies in den meisten anderen Bundes­ländern der Fall ist. Noch besser schneiden lediglich die Unternehmen aus Schleswig-Holstein (12 Prozent), Brandenburg (13 Prozent) und Thüringen (14 Prozent) ab. Schlusslichter sind das Saarland (22 Prozent) und Sachsen-Anhalt (25 Prozent). Die Zufriedenheit mit den staatlichen Maßnahmen liegt im Südwesten dagegen im Bundes­vergleich nur im Mittelfeld.

Das sind die Ergebnisse der aktuellen Befragung des German Business Panel an der Universität Mannheim, bei der mehr als 14.000 Unternehmen aus ganz Deutschland von Juli bis September 2020 sowie von November 2020 bis Februar 2021 teilgenommen haben.

In der Gruppe der Krisengewinner, die ihre Gewinne und Umsätze während der Krise sehr stark steigern konnten, finden sich besonders viele Unternehmen aus Baden-Württemberg. In dieser Kategorie liegt das Land bundes­weit an zweiter Stelle. Firmen aus der Handels­branche, dar­unter Super­markt­ketten, Drogerie-, und Baumärkte, entwickelten sich deutlich besser als in anderen Bundes­ländern. Auch die Baubranche in der Region schnitt über­durchschnittlich gut ab. „Die guten Ergebnisse sind der stabilen Infrastruktur, aber auch der Flexibilität der Unternehmen im Südwesten zu verdanken“, meint Prof. Dr. Jannis Bischof von der Universität Mannheim. Bischof ist Inhaber des Lehr­stuhls für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre und Unternehmens­rechnung sowie Projektleiter des German Business Panel. „Firmen aus Baden-Württemberg sind national wie international gut aufgestellt. Das zahlt sich in der Krise besonders aus“, konstatiert er.

Insbesondere kleine Unternehmen, die keine weiteren Mitarbeiter haben, aber auch Solo-Selbständige aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren von der Corona-Krise weniger stark betroffen als im Rest der Republik. Ob Ladenbesitzer, Rechts­anwälte oder Kosmetikstudios: Auch wenn viele von ihnen während des Lockdowns ihre Geschäfte wochenlang schließen mussten, haben sie im Südwesten verhältnismäßig geringere Einbußen erlitten: Der Gewinnrückgang in diesen zwei Bundes­ländern fiel um mehr als fünf Prozentpunkte schwächer aus als im Durchschnitt der anderen Bundes­länder.

Insgesamt haben beide Bundes­länder in der Umfrage vergleichsweise gut abgeschnitten. Dennoch zeichnete sich in einem Aspekt ein klarer regionaler Unterschied ab: Viele rheinland-pfälzische Unternehmen, die während der Krise schließen mussten, beurteilten die staatlichen Hilfsmaßnahmen über­durchschnittlich positiv: Sie fühlen sich besser unterstützt und aufgefangen durch die Landes­regierung als im Nachbarland und kommen offenbar leichter an das Hilfsgeld. Diejenigen in Baden-Württemberg zeigen sich hingegen deutlich negativer. „Dass jedoch Firmen in Baden-Württemberg mit der Hilfe der Landes­regierung so stark un­zufrieden sind, hat uns in der Deutlichkeit überrascht“, fasst Johannes Voget zusammen. Voget ist Inhaber des Lehr­stuhls für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre, Besteuerung und Finanzen an der Universität Mannheim und ebenfalls an der Leitung des German Business Panel beteiligt.

Weitere Informationen zur Studie

An der repräsentativen Studie nehmen bundes­weit über 14.000 Unternehmen wiederkehrend teil. Davon kommen 2670 aus Baden-Württemberg und 818 aus Rheinland-Pfalz. Die Studie untersucht auf Basis aktueller Daten, die bis zum 1. März 2021 erhoben wurden, wie sich die bisherigen Maßnahmen wirtschaft­lich auf Unternehmen ausgewirkt haben. Regelmäßige Folge­studien, unter anderem zu steuerpolitischen und regulatorischen Änderungen im Zuge der Corona-Krise, sind geplant.

Die Zusammenfassung der Studie „Vor den Landtagswahlen im Südwesten: Wie Unternehmen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Corona-Krise bewerten“ ist abrufbar unter: https://www.accounting-for-transparency.de/wp-content/uploads/2021/03/German-Business-Panel_Coronabefragung_Marz-2021.pdf

Die Studie basiert auf den Umfragen des German Business Panel – dem langfristigen Befragungs­panel des DFG-geförderten überregionalen Sonderforschungs­bereichs „TRR 266 Accounting for Transparency“. Mehr Infos unter: www.gbpanel.org

Zum Sonderforschungs­bereich „Accounting for Transparency“

Der Sonderforschungs­bereich (SFB) „TRR 266 Accounting for Transparency“ startete im Juli 2019 und wird von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) für zunächst vier Jahre gefördert. Er ist der erste SFB mit betriebs­wirtschaft­lichem Schwerpunkt. Am SFB sind rund 80 Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaft­ler von acht Universitäten beteiligt: Universität Paderborn (Sprecherhochschule), Humboldt-Universität zu Berlin und Universität Mannheim, zudem Forscherinnen und Forscher von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der European School of Management and Technology Berlin, Frankfurt School of Finance & Management, Goethe-Universität Frankfurt am Main und WHU – Otto Beisheim School of Management. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen, wie Rechnungs­wesen und Besteuerung die Transparenz von Unternehmen beeinflussen und wie sich Regulierungen und Unternehmens­transparenz auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Das Fördervolumen des SFBs beträgt rund 12 Millionen Euro.

Mehr Infos unter: www.accounting-for-transparency.de

Zum YouTube Kanal des SFB: https://www.youtube.com/channel/UCR-N_RnPKoLHF1_B5MSm6aw

Kontakt:
Prof. Dr. Jannis Bischof
Lehr­stuhl für ABWL und Unternehmens­rechnung
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181–1630
E-Mail: jbischof uni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181–1266
E-Mail: kaul uni-mannheim.de