Christel Celis Martin / Foto: Ye Fung Tchen

“Deutschland ist meine Heimat geworden und in Mannheim fühle ich mich zu Hause”

Aufgewachsen in Venezuela, den USA und Spanien entschied sich Christel Celis Martin nach ihrem Abitur für ein Soziologiestudium in Mannheim. Mittlerweile ist die 22-jährige im 7. Semester und erzählt in ihrer myUniMA story, warum Deutschland für sie ein besonderes Land ist, wie ihr Leben in Mannheim aussieht und wie sie sich ihre Zukunft vorstellt.

Warum hast Du Dich für ein Studium in Deutschland entschieden?

Christel: In meiner Kindheit war die deutsche Sprache immer präsent, denn meine Mutter ist Deutschlehr­erin und wollte, dass mein Bruder und ich Deutsch lernen. Ich habe jahrelang mit der Sprache gekämpft bis ich sie wirklich fließend sprechen konnte. Weil ich mir mit dem Deutsch lernen solche Mühe gegeben habe, wollte ich nach dem Abitur dann auch nach Deutschland gehen. Außerdem ist ein Studium hier viel günstiger als in den USA oder Spanien und mich hat das deutsche Studentenleben total gereizt. Für ein Studium an der Universität Mannheim habe ich mich entschieden, weil die Uni in den Rankings super abschneidet und weil die Semesterzeiten international angepasst sind. Dadurch ist es einfacher für mich, meine Familie zu besuchen und ich muss zum Beispiel an Weihnachten nicht lernen.

Du hast ja bereits in Venezuela, den USA und Spanien gelebt – Erzähl mal von Deiner Familie und davon, wie Dein Leben verlaufen ist, bevor Du nach Mannheim gekommen bist.

Christel: Meine Mutter ist Argentinierin und mein Vater Kolumbianer, sie waren aber beide auf deutschen Schulen und mein Vater hat in Deutschland seinen Master gemacht. Geboren bin ich in Maracaibo, einer Stadt in Venezuela. Dort habe ich mit meiner Familie gewohnt, bis wir wegen der politischen Situation wegziehen mussten. Damals war ich acht Jahre alt. Wir haben dann für fünf Jahre in Texas gelebt, bevor wir schließlich nach Spanien gezogen sind. Dort habe ich auf der deutschen Schule in Madrid mein Abitur gemacht und bin dann nach Deutschland gekommen. Meine Eltern wohnen noch in Madrid und mein Bruder studiert seit kurzem in Karlsruhe.

Wie gefällt Dir Deutschland und Dein Studium hier in Mannheim?

Christel: Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Land selbst ausgesucht. In meiner Kindheit haben natürlich meine Eltern entschieden, wo wir als nächstes hingehen würden, aber Deutschland war meine eigene Wahl. Deswegen ist Deutschland in den letzten Jahren meine Heimat geworden und ich fühle mich in Mannheim zu Hause. Die Stadt ist lebendig und hat die perfekte Größe, finde ich. Hier gibt es immer etwas zu tun – Initiativen, Parties, Treffen. Auch mit meinem Soziologiestudium bin ich sehr zufrieden, und mein Beifach Psychologie ist eine tolle Ergänzung dazu.

Wie gestaltest Du Deine Freizeit?

Christel: Bis vor kurzem war ich bei der Initiative IDEiAS e.V. aktiv, die sich mit Lateinamerika beschäftigt und zum Beispiel Filmabende, Diskussionsrunden, Vorträge oder Workshops organisiert. Für anderthalb Jahre war ich erster Vorstand der Initiative und insgesamt zwei Jahre mit dabei. Außerdem gehe ich oft zum Zumba, auch wegen der spanischsprachigen Musik, zu der man sich dabei bewegt. Als ich noch in Spanien gelebt habe, fand ich Reggaeton immer langweilig, seit ich aber in Deutschland bin, vermisse ich diese Musik auf einmal, denn sie macht einfach gute Laune. Ein heimlicher Traum von mir ist es deshalb, selbst Zumba Kurse zu leiten.

Was vermisst Du aus den Ländern, in denen Du schon gelebt hast, abgesehen von der Musik noch?

Christel: Ich vermisse besonders das spanische und venezuelanische Essen! Außerdem Freunde aus den USA oder Venezuela, die ich wegen der weiten Entfernung jetzt nicht mehr so oft sehen kann. Aber immerhin sind fast alle meine Freunde aus der Schulzeit in Spanien mittlerweile auch in Deutschland, das ist ganz praktisch.

Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor?

Christel: Ich möchte auf jeden Fall einen Master machen, welchen genau weiß ich allerdings noch nicht. Ich könnte mir Soziologie gut vorstellen, aber vielleicht auch Wirtschafts­psychologie oder soziale Arbeit. Für den Master möchte ich in Deutschland bleiben und auch danach würde ich gerne hier arbeiten und eine Familie hier gründen.

Interview: Louisa Gille  |  November 2017