Georgi Popov / Foto: Elisa Berdica

„Im MMM studiere ich mit Kommilitonen aus der ganzen Welt“

Diesen Monat präsentiert die Serie myUniMA story Georgi Popov (25) aus Bulgarien. Er hat den Mannheim Master in Management (MMM) schon fast abgeschlossen. Dieses Semester macht er ein Praktikum bei Lufthansa Cargo in Frankfurt. Seine Geschichte ist das perfekte Beispiel für die Möglichkeiten, die der MMM internationalen Studierenden bietet.
 

Was hat dich zu deinem aktuellen Praktikum bewogen?

Georgi: Ich bin Praktikant bei Lufthansa in der Markt- und Netzplanungsabteilung. Die Arbeit dort ist sehr interessant und ich lerne viel über die Luftfahrtindustrie, ganz besonders über Luftfracht und Logistik. Es ist ein sechsmonatiges Praktikum. Als ich mich darauf beworben habe, war ich Werkstudent bei SAP, was eine sehr gute Erfahrung war. Ich überlege, nach meinem Praktikum dorthin zurückzukehren oder mich nach meinem Abschluss dort zu bewerben. Mein Hauptaufgabengebiet war Vertriebsplanung, aber ich wollte auch etwas Neues ausprobieren. Außerdem studiere ich in meinem Master hauptsächlich Operations Management mit den Schwerpunkten Supply-Chain Management, Logistik und Einkauf. Deshalb wollte ich auch in diesem Bereich Berufserfahrung sammeln. Bei Lufthansa habe ich in meinem Heimatland schon mal ein Praktikum gemacht, da Lufthansa Technik in Sofia ein großes Werk betreibt. Daher rührt meine Faszination für die Luftfahrtindustrie und das ist auch der Grund warum ich wieder für Lufthansa arbeiten wollte.

Warum hast du sich dafür entschieden, in Mannheim zu studieren?

Georgi: Ich bin in Sofia geboren und in einer wunderschönen Stadt namens Veliko Tarnovo aufgewachsen. Bulgarien ist ein wirklich schönes Land, aber wirtschaftlich leider nicht so gut entwickelt wie Deutschland. Ich hatte immer vor, im Ausland zu studieren, weil die Qualität der Ausbildung in Westeuropa erheblich besser ist. Deshalb kam ich nach meinem Schulabschluss 2010 nach Mannheim. Meine Schule hatte einen sprachlichen Fokus und mein Hauptfach war Deutsch, mit Russisch als Nebenfach. Wenn ich in ein Land gezogen wäre, das nicht Teil der deutschsprachigen Welt ist, wäre es eine Verschwendung gewesen, so gut Deutsch zu lernen.  Sprachen verlernt man schnell wieder, wenn man nicht in Übung bleibt. Die Universität Mannheim hat einen besonders guten Ruf. In meinem Bereich ist sie Nummer eins in vielen Rankings. Ich kannte sogar ein paar Freunde, die hier studiert haben, und als ich ihr positives Feedback gehört habe, entschied ich mich dafür, es zu wagen.

Jetzt hast du dein Studium ja schon fast beendet. Wie sieht dein persönliches Fazit bisher aus?

Georgi: Ich glaube, alles in allem kann ich ein sehr positives Fazit ziehen. Aber das Studium hat auch seinen Tribut gefordert. Ganz besonders, wenn du als junger Mann gleich nach dem Schulabschluss  hierher kommst, ist es eine große Umstellung. Du musst lernen mit der Veränderung umzugehen, nicht mehr zu Hause zu leben, wo man alles kennt, sondern im Ausland zu leben, mit einem anderen System umzugehen und natürlich auch einer anderen Sprache. Ich würde sagen, das habe ich nicht perfekt geschafft, aber irgendwie hat es doch geklappt. Insgesamt war es das wert. Trotzdem, als die meisten meiner Freunde und ich den Bachelorabschluss gemacht haben, dachte ich, dass ich auch von Mannheim Abschied nehmen würde. Wir konnten es nicht erwarten, bis es endlich vorbei war, weil die letzte Zeit so anspruchsvoll war.

Was hat dann zu der Entscheidung geführt doch den Master hier zu machen?

Georgi: Ich habe erstmal ein Gap Year genommen und zwei Praktika in Sofia gemacht. Ich war anfangs nicht sicher, ob ich gleich anfangen möchte zu arbeiten, oder mit dem Master weitermachen soll. Als ich mich schließlich dafür entschieden habe, weiter zu studieren, bin ich wieder nach Mannheim gekommen. Der Studiengang ist international sehr bekannt. Ich studiere mit Kommilitonen aus der ganzen Welt. Außerdem gibt es sehr gute Verbindungen zu Unternehmen. Es gibt Gastvorlesungen und Workshops mit verschiedenen Unternehmensvertretern. Generell gefällt mir der Master viel besser und ich habe meine Entscheidung nicht bereut. Es war auch ein großer Vorteil für mich, dass ich Mannheim schon kannte. Das hat mir den Start in den Master erleichtert.

Wie sehen deine Karrierepläne aus und glaubst du, dass der MMM dich für deine berufliche Zukunft gut vorbereitet hat?

Georgi: Ja, ich glaube schon, dass der Master mich gut vorbereitet hat, zusammen mit meiner Werkstudententätigkeit und den Praktika, die ich absolviert habe. Zusätzlich zu den Studieninhalten praktische Erfahrungen zu sammeln ist sehr wichtig. Die Firmen, für die ich bisher gearbeitet habe waren alle Global Player und Marktführer in ihrem Bereich. Deshalb war die Arbeit dort sehr inspirierend und hat mich stolz gemacht. Ich würde mir wünschen, auch mal in einem internationalen Arbeitsumfeld zu arbeiten. Es ist kein Problem für mich, auf Deutsch zu arbeiten, aber ich ziehe Englisch als Verkehrssprache vor und es gefällt mir, internationale Kollegen zu haben und auf einem internationalen Gebiet zu arbeiten. Ich glaube, dass es mich auf Dauer nicht glücklich machen würde, für eine ausschließlich deutsche Firma zu arbeiten.

Hast du bedeutende kulturelle Unterschiede zwischen Bulgarien und Deutschland festgestellt?

Georgi: Natürlich gibt es Unterschiede, aber ich würde sagen, sie sind nicht besonders groß. Deutschland und Bulgarien sind beides Länder der EU. Das Essen ist verschieden, natürlich auch die Sprache, aber ich glaube nicht, dass ich einen Kulturschock hatte. Ich glaube innerhalb Europas gibt es sowas wie einen Kulturschock nicht. Die EU-Mitgliedschaft Bulgariens ist noch ziemlich jung und wir sind wirklich dankbar, ein Teil der EU zu sein. Manchmal merke ich gar nicht, welche Vorteile sich daraus für mich als Student aus einem EU-Mitgliedsland ergeben. Aber wenn ich mich dann mit Freunden aus nicht-EU Ländern, wie zum Beispiel Indien, vergleiche, sehe ich, wie viel einfacher es für mich ist, hier zu studieren.

Kennst du viele Studierende aus deinem Heimatland in Mannheim?

Georgi: Es gibt an der Uni eine relative große bulgarische Gemeinschaft. Wir haben sogar eine Studenteninitiative namens Bai Ganyo. Deren Zweck ist es, zum einen die bulgarischen Studierenden während des Studiums zu unterstützen. Auf der anderen Seite soll durch die Initiative ein besseres Verständnis für die bulgarische Kultur vermittelt und das Image verbessert werden. Sie soll als Brücke zwischen bulgarischen und anderen Studenten an der Uni dienen, und wir bemühen uns aktiv unsere internationalen Freunde und Kommilitonen in unsere Aktivitäten zu involvieren. Das wird auch durch den Namen der Initiative ausgedrückt: Bai Ganyo ist die Hauptfigur in einem gleichnamigen Roman und symbolisiert die größten Vorurteile gegen Bulgaren. Das ist die Inspiration für unseren Slogan: Unser Name ist unsere Herausforderung. Es gibt besonders in Mannheim Vorurteile gegenüber Bulgaren. Aber ich persönliche habe noch keine negativen Erfahrungen mit Vorurteilen gemacht.

Interview: Lina Vollmer  |  Foto: Elisa Berdica  |  September 2016